Meine nächste Busfahrt mit dem Greyhound Bus ging 300km weiter hoch nach Townsville. Ich hatte die Fahrt schon vor einigen Tagen gebucht, wusste da aber noch nicht, dass Queensland nach der schlimmen Flutwelle eine weitere Unwetterkatastrophe zu verkraften hatte. Zyklon ‘Yasi’, ein Wirbelsturm, der sich nahe der Fiji Inseln gebildet hatte, war auf dem Weg westlich an die australische Küste auf der Höhe zwischen Townsville und Cairns. Also genau dem Gebiet, in dem ich unterwegs sein wollte. Cairns war dabei wohl nicht das Problem, da es eine große Stadt war, aber die kleineren Orte würden hart getroffen werden hieß es. Yasi erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h und riss manch kleine Ortschaft wirklich komplett kaputt. Zum Zeitpunkt des Sturms war ich aber noch in Airlie Beach. Diese Region war zu weit südlich und nicht betroffen.

Der Sturm ging, vor allem weil er direkt nach den schlimmen Fluten kam und auch wieder das angeschlagene Queensland traf, durch die Nachrichten auf der ganzen Welt. Meine Mutter machte sich ein bisschen Sorgen und rief hin und wieder an. Die Fluten waren ja in Queensland inzwischen nicht mehr schlimm, dafür gab es nun in Victoria auf Grund andauernder Regenfälle heftige Überschwemmungen. Auch hierrüber wurde nun überall intensiv berichtet. “Da hab ich mir aber einen spannenden Zeitpunkt für meine Reisen ausgesucht…” dachte ich mir immer wieder. Als ich in Townsville ankam, war Yasi aber bereits vorüber. Ich begab mich zu meinem gebuchten Hostel oder eher gesagt eine Art Guesthouse. Es waren nicht viele Leute dort und ich teilte mir mein 4-Bett Zimmer mit nur einem Typen. Toll war, dass es kostenfreien Zugang zum Internet gab. Und zwar zeitlich uneingeschränkt. Ich musste also nicht irgendwo in ein Kaufhaus und Pseudo Kaufinteresse bekunden, um E-Mails, Facebook und Co. zu nutzen.

Es gab direkt neben der Rezeption einen kleinen Raum mit alten Rechnern. Es waren noch so tolle, riesige Röhrenbildschirme. Die Rezeptionistin bat ich mir gegen kleines Entgelt ein paar Unterlagen für den Taxrefund / die Steuererklärung einzuscannen und zuzuschicken. Hier hatte ich nämlich noch mal Zeit und Ruhe und konnte mich dem Thema Steuerrückerstattung widmen, ohne jede Minute auf die Uhr schauen zu müssen, weil jede Minute kostet. Den Payroll summary report hatte ich inzwischen endlich von Rhianna zugeschickt bekommen. Sie hatte mich angerufen und sich entschuldigt, nur hätte es Probleme gegeben, den Report noch vor Ende der aktuellen australischen Steuerperiode zu erstellen. Whatever…Ich hatte meine Unterlagen zusammen und nun alles an supertaxrefunds weitergereicht. Alles Weitere war nun deren Angelegenheit (so glaubte ich).

Neben mir saß ein rothaariger Aussie und sprach mich an. Neben ihm lag eine Tageszeitung, auf dessen Titelseite sich ein Foto von ihm befand. Um ehrlich zu sein, viel es mir schwer, ihn zu verstehen. Sein Slang war ganz schön heftig. Verstanden hatte ich aber, dass er Yasi live miterlebt hatte. Er sagte, es sei sehr sehr heftig gewesen. So heftig, dass er sich kaum auf der Straße halten konnte. Die ganze Stadt sei vorher auch evakuiert und in Schutzgebäuden untergebracht worden. In dem Zeitungsbericht ging es wohl nun darum, dass einige Geschäfte der Plünderung zum Opfer gefallen sind. Und dazu wurde er interviewt. Entweder weil er Beschuldigter war oder Plünderer gesehen hatte oder so, keine Ahnung mehr. Die kleinen Geschäftsstraßen in der Innenstadt von Townsville befanden sich voll in Baustellen. Es war kein interessanter Anblick.

Auch Townsville war nach wenigen Tagen durchgesehen und dann auch irgendwie uninteressant. Immerhin gab es hier auch ein Monsoon’s Restaurant. Leider war es geschlossen, aber es weckte tolle Erinnerungen an unsere tagtägliche Mittagessen im Monsoon’s in Darwin. Ansonsten gab es nicht viel, in Townsville beginnt der Tourismus des Great Barrier Reefs, da “es vor der Haustür liegt”. Aber ich würde sagen, die meisten fahren von Townsville mit der Fähre auf Magnetic Island (die Aboriginals sagen “Yunbenun”), eine nahe gelegene Insel, die offiziell zum Stadtgebiet von Townsville gehört. Auf der Insel leben gut 2000 Einwohner und für Touristen bietet sie halt schöne Buchten mit Korallenriffen und Eukalyptus Wälder mit den dort lebenden Koalas. Die Klimaanlage in meinem Zimmer war eine der heftigsten, die ich je erlebt habe. Alter Falter, die hat das Zimmer nachts so dermaßen runtergekühlt, dass mir arschkalt war und ich richtig gefroren habe.

Der eine Typ ist früh morgens immer auf die Arbeit. Als er weg war, habe ich immer erstmal die Anlage wieder ausgeschaltet und versucht, noch ein bisschen zu schlafen. Nebenbei hab ich dann immer noch ein bisschen mit Meiner Freundin gechattet, in Deutschland war es später Abend. Als ich dann das nächste Mal an den Rechner ging und meine E-Mails abrief, hatte ich ein Problem. Greyhound schrieb mir, dass mein bereits gebuchter Bus nach Cairns auf Grund der Straßenbeschädigungen die Yasi hinterlassen hatte, abgesagt wurde und die ganze Woche kein Bus mehr fahren würde. Das war ziemlich kacke, da ich definitiv irgendwie nach Cairns musste, um meinen Rückflug nach Sydney zu kriegen. Ich rief also bei Greyhound an. Dort sagte man mir, dass die Highways zwischen Townsville und Cairns durch Yasi verwüstet und überflutet worden waren und deshalb der Busverkehr auf dieser Strecke eingestellt wird. “Toll…” dachte ich mir. Sie würden alles tun, was sie können, könnten derzeit aber noch nicht sagen, wann die Busse wieder fahren. Jetzt war die Kacke leicht am Dampfen. Nur leicht, weil ich ja noch genügend Zeit zu meinem Flug von Cairns nach Sydney hatte.

Ob ich jetzt eine Woche später nach Cairns komme, war nicht dramatisch, aber halt doof. Ich hatte ungefähr 9 Tage in Cairns eingeplant. Nur wusste ich halt auch nicht, wie lange die Busse nicht fahren. Es war halt diese nervige Ungewissheit. Zu meinem unglaublichen Glück erhielt ich später dann aber per E-Mail eine Benachrichtigung von Greyhound, dass sie einen einzigen Bus (anstatt üblicherweise 4) jetzt doch hochschicken und mich hierauf umbuchen konnten. Ich war glücklich, dass sichergestellt war, dass ich nach Cairns hochkomme. Ich checkte also aus dem Hostel aus und fuhr zum örtlichen Busbahnhof. Es war dort ganz schön voll, weil dort auch die Fähren nach Magnetic Island abfahren. Der Bus hatte total Verspätung, mind. 1 Stunde. Dann kam er endlich, aber es ging ziemlich drunter und drüber.

Denn nicht nur die Leute aus Townsville waren für diesen Bus angemeldet, sondern auch Transit/Umsteigepassagiere aus einem anderen Bus, der aus südlicher Richtung kam. Wir mussten nun also erst noch auf den anderen Bus warten. Unser Busfahrer war ziemlich gestresst und nassgeschwitzt. Durch die gecancelten Fahrten gab es viel Chaos im Ablauf. Und war wirklich der einzige Bus, den Greyhound nach Cairns hochschickte. Der Busfahrer war ein typischer seiner Art. Genüsslich rauchte er vor dem Bus seine Zigarette und lies locker und lässig den Chef raushängen. Die Leute wollten ihr Gepäck einladen und einsteigen, aber er konterte und verkündete laut redend, dass ihn jetzt keiner stressen kann und er nachdem er geraucht hat, ganz in Ruhe anfangen wird, die Leute reinzulassen. Es schien eine Art Selbsthilfe zu sein, um sich selber zu relaxen. Als dann endlich der andere Bus angekommen war und alle Leute umgestiegen waren, konnten wir mit knapp 2 Std. Verspätung unsere Fahrt ins etwa 350km weiter nördlich gelegene Cairns starten. Der Bus fuhr anders als üblich und irgendwo machten wir auch Halt, weil er Busfahrer Kurier spielen musste.

Greyhound hatte ihm Unterlagen mitgegeben, die er irgendwo zwischen Townsville und Cairns deponieren und auch selber andere Sachen abholen musste. Auch hier merkte man, dass sich alles auf diesen einen Bus konzentrierte. Dann fuhren wir weiter. Die Fahrt war wirklich interessant, obwohl es natürlich überwiegend einfach nur das endlose, langweilige Outback war, durch das wir fuhren. Dennoch konnte man immer wieder die Ausmaße von Yasi sehen. Verwüstete Dörfer, in denen Leute am Aufräumen waren, zogen an uns vorbei.

 

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