Am 3. Tag war ich für eine andere Farm eingesetzt. Wieder mit dem Estländer und ein paar anderen aus unserem Hostel, aber nicht aus unserem Zimmer. Diesmal ging es auf eine Pineapple (= Ananas) – Farm. Die war schon viel riesiger und als Mario’s Farm. Wir waren ein Team von ca. 8 Leuten. Auch hier waren ein paar Festangestellte Aussies dabei. Ansonsten ein paar Engländer und ein Franzose, den bald alle nur noch “Frenchy” nannten. Die festangestellten Australier waren in der Gruppe mehr oder weniger die Chefs. Sie kannten auch unseren Big-Boss, den Farm Besitzer.

Der tauchte persönlich aber nie auf. Außer einmal, wo er sich angekündigt hatte. Da waren alle aufgeregt und jeder achtete darauf, nicht unangenehm aufzufallen. Ich habe den Chef aber auch nur ganz kurz gesehen. Wir hatten einen schicken Geländewagen mit Klimaautomatik und einen Pickup zur Verfügung, um raus auf das weite Feld zu kommen. Jeder griff sich also ein Paar der versifften und stinkenden Arbeitshandschuhe und machte noch seine Trinkflasche mit kaltem Wasser voll. Die Australier hatten am Eingang der Farm kleine Appartements, sie lebten dort vorübergehend. Die Plätze im Geländewagen waren auf Grund der Klimaautomatik am begehrtesten. Am Feld angekommen staunten wir nicht schlecht.

Wir durften jetzt erstmal Felder bearbeiten, auf denen gar keine Ananas mehr waren, sondern nur noch deren restlichen Pflanzenteile. Dabei waren wir in Gedanken doch alle schon längst am “Ananas en Masse” essen. Eine ziemliche Enttäuschung. Wir legten unsere Sachen auf der Ladefläche eines Farmerfahrzeugs ab. Es war eine Maschine mit Förderband, das über das Feld ragte. Die Maschine wurde ganze langsam von einem Traktor gezogen. Also auf dem Gehweg neben dem Feld fuhr ganz langsam ein Traktor vorwärts, der die Maschine hinter sich her zog. Die Gruppe verteile sich nun nebeneinander auf dem Feld. Vor sich hatte man die lange Wanne mit dem Förderband, was zur Maschine am Gehweg verlief.

Dadurch, dass die Maschine ja langsam nach vorne gezogen wurde, lief die Wanne mit dem Förderband ja auch immer ein Stück vorwärts. Die Arbeit war also nun, bestimmte Pflanzenteile abzurupfen und vor sich in die Wanne mit dem Förderband zu werfen. Es ging dabei nur um bestimmte Pflanzenreste. Die Teile werden nämlich nach der Ernte der Frucht sortiert und zum Teil anderweitig wieder verwertet. Dummerweise hatte ich das Glück neben Jeff (eigentlich Jeffrey) zu arbeiten. Der Typ war um die 50 und ein bisschen komisch. Er sprach öfter mit sich selbst und roch etwas modrig. Er war geistig irgendwie ein bisschen unterbemittelt, keine Ahnung. Jedenfalls hatte er Spaß daran, nicht nur seine Arbeit zu machen, sondern beobachtete nebenbei noch peinlich genau, ob ich nicht eine Pflanze vergessen habe. Und wenn, dann machte er mich jedes Mal darauf aufmerksam. Irgendwann nervte mich das und ich lachte nur noch. Er war selber nur ein Arbeiter wie ich und kein Chef der Gruppe. Nur was einen noch mehr ärgerte war, dass er nie Erschöpfung zeigte. Als wenn ihm der behinderte Job auch noch Spaß machte, ging er jeden gottverdammten Morgen mit Spaß an die Arbeit.
Naja, und so ging es Stück für Stück immer weiter vorwärts bis zum Ende des Feldes. Und dann die zweite Hälfte des Feldes in die andere Richtung wieder zurück. Zwischendurch machten wir immer ein bisschen Pause und legten uns auf die Ladefläche der Ananas Maschine.

Mit der Zeit wuchs die Gruppe etwas zusammen und die anfangs noch sich als Chefs aufspielenden Australier wurden lockerer. Wir machten deutlich mehr Pause als eigentlich erlaubt, nämlich nach fast jeder Runde. Täglich arbeiteten wir von 6/7 Uhr in der früh bis abends um 17/18 Uhr, also zwischen 10-12 Stunden. Abends wurden wir dann wieder vom Bus-Shuttle des Hostels abgeholt, mal pünktlich, mal unpünktlich. Es gab immer irgendwie Stress zwischen Hostel und Arbeitern. Als ein paar Tage später um 5.30 Uhr Abfahrt vom Hostel war und einer unserer Kollegen um 5.31 Uhr auftauchte, wurde er eiskalt rausgeworfen und verlor damit seinen Job auf der Farm. Wegen 1 Minute Verspätung. Das uns dieser dumme Busfahrer abends nach hart getaner Arbeit aber mitunter mal 45 Minuten hat warten lassen, war natürlich egal. Jedenfalls waren die Australier aus unserer Gruppe cool drauf und bauten Kontakt zum Chef auf. Der nahm unseren Kollegen aus dem Hostel dann selbst unter Vertrag und stellte ihn direkt ein, ohne ein mitverdienendes Hostel dazwischen. Somit verdiente er sogar mehr pro Stunde als wir.

Inzwischen waren wir mit den ersten Feldern durch. Unsere nächste Aufgabe bestand darin, rumliegende Stöcke aus Feldern aufzusammeln, da diese für eine anstehende Aussaat stören würden. Das klingt ziemlich einfach: Stöcke sammeln und dafür Kohle kassieren. Wenn man das aber 10 Stunden in knallender Sonne macht, ist das ein richtiger Drecksjob. Den besten Job hatten meistens die Australier, da Sie abwechselnd die Maschinen/Traktoren fahren durften und somit nichts Körperliches machen mussten. Typisch ich, zog ich irgendwann meine Schuhe aus und lief als einziger barfuß über die Erde. Es war so verdammt wohltuend für meine Füße, da der Boden uneben und trotzdem weich war. natürlich war das arbeitsrechtlich verboten und irgendwann durfte ich dann auch nicht mehr, da die Australier meinten, dass der Boss mal vorbeikommen würde und ich deswegen meine Schuhe wieder anziehen solle, sonst gäbe es Ärger. Ein paar Kollegen wollten mich auch verarschen und versuchten mir einzureden, dass an manchen Stellen unter der Erde auch Schlangen leben und sie deshalb niemals hier barfuß laufen würden. Ich hielt das für Quatsch.

Frösche gab es des Öfteren, aber Schlangen? Nicht eine einzige habe ich gesehen. Wer einen Frosch fand, gab immer laut Bescheid, ließ ihn an einem Bein zappeln und warf ihn hoch in die Luft. Es war so lustig, wie diese Tiere mit ausgestreckten Beinen durch die Luft Andygen und dann auf einmal irgendwo hinflatschten. […]
Eines Tages brachen wir unsere Arbeit frühzeitig am Nachmittag schon ab. Es waren 40 Grad und einer unserer (australischen) Kollegen hatte einen Sonnenstich erlitten. Wir riefen im Hostel an und bestellten den Bus, um uns abzuholen. Er kam zwar, aber natürlich ließ er ziemlich auf sich warten. Sonderabholwünsche waren nun mal unerwünscht. Dem australischen Kollegen ging es zwei Tage später wieder gut. Nur verspottet wurde er ein bisschen: war er doch Aussie und Hitze und Klima eigentlich gewohnt. Doch kein echter Aussie?!

Die weiteren Tage ging es endlich an die Ananas Felder. Und natürlich, wir durften auch Früchte essen und uns Ananas mit ins Hostel nehmen. Das war dann der angenehme Part des Jobs. Anders als auf Mario’s Farm bekamen wir aber leider nicht mit, was mit der gepflückten Frucht weiter geschah. Als wir Feierabend hatten, sind wir wieder in den Autos nach vorne gefahren und haben auf den Bus gewartet. Die Aussies boten uns die Duschen in den Appartements an und gaben uns Bier aus. Ich machte den Job seit einer Woche und hatte absolut keine Lust mehr. Ich entschloss mich, weitere drei Tage durchzuhalten und dann aufzuhören. Dazu gab ich dann im Hostel an der Rezeption Bescheid, dass ich aufhören möchte. Am nächsten Tag hatte ich dann schon frei. Ben, der Brite aus meinem Zimmer, wurde des Hostels verwiesen. Angeblich hatte er eine Nacht zuvor irgendwie im Vollrausch Stühle umgestellt oder sowas. Die Hostelmitarbeiter hatten das nun über die Überwachungskamera gesehen und warfen ihn deshalb direkt vor die Tür. Es war kein großer Akt, direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite war ein anderes Hostel, in das er zunächst einzog.

Ich hingegen hatte zwischenzeitlich meine weiteren Pläne geschmiedet. Bundaberg ging mir so auf den Keks, es war so dermaßen langweilig dort. Am Wochenende wusste ich nicht, was ich machen soll. Ich wollte schnell weiter. Mein nächstens Ziel entlang der Ostküste sollte Airlie Beach sein. Es liegt direkt an der Küste und ist das Tor zu den Whitsunday Islands, einer aus 74 Inseln bestehenden Inselgruppe, von denen nur 17 bewohnt sind. Viele Seevögel und Buckelwale sollen hier neben traumhaften hellblauen Stränden zu sehen sein. Ich buchte den Greyhound Bus und ein Hostel in Airlie Beach.

Mit dem Hostel in Bundaberg vereinbarte ich noch, dass Sie mir bitte die Abschlussabrechnung per E-Mail zusenden sollen.

Aussie School, Bundaberg

Aussie School, Bundaberg

Das klappte natürlich zunächst nicht, aber dazu später mehr. Ich checkte aus und begab mich mit meinem Rucksack zum lokalen Busbahnhof, wo ich vor gut 2 Wochen auch angekommen war. Es war schon leicht dunkel und direkt neben dem Busparkplatz war auch ein Hostel. ich traute meinen Ohren nicht, als ich eine Stimme hörte: Es war Ben. Er war nochmal umgezogen. Er erkannte mich und wie unterhielten uns kurz. Ich sagte ihm, dass ich keinen Bock mehr auf Arbeiten hatte und weiterziehe. Wir kappelten uns ein wenig, dann ging er weg. Mein Bus kam und ich verließ Bundaberg.

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Ich hatte mir weiter Gedanken gemacht und wollte dann doch nochmal irgendwas arbeiten, da ich dachte, so ein kleiner Finanzschub wäre nochmal was Feines. Ich dachte diesmal tatsächlich an sowas wie Fruitpicking. Ich war nur gut 120km von Bundaberg entfernt. Bundy ist für Fruitpicking eine recht beliebte Region. Dort hatte auch mein koreanischer Freund Louis 3 Monate lang Tomaten gepflückt. Deshalb versuchte ich Kontakt aufzubauen, damit er mir vielleicht einen Job klarmachen konnte. Nach ein bisschen Hin- und her aber, war klar dass das nicht ginge. Irgendwie war Louis bei einem Farmer, der ausschließlich Koreaner oder generell nur Asiaten einstellen würde oder sowas. Keine Ahnung…

Ich schaute mich nach ein paar Farmen um, auf denen ich vielleicht hätte arbeiten können, aber irgendwie wurde das alles nichts. Nichts frei, überall anrufen und nachfragen… Dann kam mir die Idee mit den Working Hostels. Dort bucht man sich ein Zimmer und lässt sich gleichzeitig einen Job vermitteln. Die Hostels stehen mit den Farmen in direktem Kontakt. Ich suchte mir also ein paar Adressen von solchen Hostels in Bundaberg raus und fuhr von Hervey Bay nach Bundaberg hoch. Es war dunkel, als ich dort ankam. Mein Hostel, zudem ich als erstes wollte, fand ich leider nicht, deshalb bin ich einfach direkt in das zentral gelegene “Central Backpacker’s” und fragte erst mal nach einem Zimmer für eine Nacht. Am nächsten Tag bin ich dann losgezogen und habe mir Bundaberg angesehen. Man kann es sich so vorstellen: eine sich durch 4 Kreisel durchziehende Hauptstraße. Die Kreise führen dann links und rechts zu ein paar Nebenstraßen. Das Ganze ist total überschaubar und eigentlich auch total langweilig.

Alles macht irgendwie um 19 Uhr zu und danach ist auch absolut gar nichts mehr los. Ich bin in zwei, drei Hostels und fragte zwecks Fruitpicking-Job. Letztlich blieb ich im Central Backpacker’s und meldete mich für einen Fruitpicking Job an. Nur mit einem Job würde sich der Tag in Bundaberg durchhalten lassen, die Zeit würde sehr wahrscheinlich schneller vergehen. Mir ist dann auch noch eingefallen, dass ich mir wohl noch entsprechende Klamotten besorgen sollte, wenn ich schon auf dem Feld arbeite. Deswegen bin ich direkt in die örtlichen Shops und hab mir das billigste T-Shirt, die billigste Hose und die billigsten paar Schuhe gekauft, da die sowieso total eingesaut werden. Wenn ich mich an den Laden erinnere, in dem ich die Sachen gekauft hab, muss ich immer an das Lied von Kesha – “We are who we are” denken. Das Lied war zu dem Zeitpunkt chartmäßig ziemlich weit oben.

Es war beginnendes Wochenende und am Montag sollte es schon losgehen. Dafür musste man einen Vertrag unterschreiben, der dem Hostel von jeder gearbeiteten Stunde einen gewissen Dollar Betrag zusicherte. Anstatt bspw. 20,28 Dollar / Stunde wie in Melbourne bekam ich so nur 17,60 Dollar / Stunde. Das Hostel verdiente kräftig mit, ohne was zu tun. Zumindest verdienen sie unverhältnismäßig viel. Aber das Hostel stellte sich letztlich sowieso als ein ganz schön mieser Verein heraus. Die Stimmung zwischen Hostelmitarbeitern und Hostelgästen war nicht sehr gut. Für die Mitarbeiter waren wir Gäste wohl das erbärmliche Backpacker-Arbeiterpack ohne jeglichen Anstand. Meine Zimmergenossen waren Ben, ein Engländer, zwei, drei andere Kerle und zwei Brüder aus Estland. War echt interessant, denn Leute aus Estland hatte ich bisher noch nie getroffen. Selbst in Deutschland nicht. Estland hat ja auch gerade mal 1,3 Mio Einwohner. Ben war ein lustiger Vogel, mit dem ich des Öfteren rumscherzte.

Ich fand ihn so lustig, weil er so richtig typisches, sauberes, britisches Englisch sprach. Er war ganz nett drauf, wirklich was zusammen unternommen haben wir aber nicht. Er ging des Öfteren irgendwo feiern und hatte andere Leute, mit denen er die Zeit vertrieb. Es gab im Hostel einen großen Raum mit TV Leinwand, an der ich ab und zu Tennis guckte. Ansonsten gab es nur noch eine Tischtennisplatte. Mehr eigentlich nicht. Alles wirkte heruntergekommen, unser Zimmer erreichte man durch den recht dreckigen Hinterhof. Das Zimmer war auch nicht wirklich gepflegt. Es war ein 8er Zimmer und alles was uns zur Kühlung zur Verfügung stand war ein billiger Stand-Ventilator. Die sich immer wieder stauende Hitze im Zimmer war für mich das unerträglichste an allem. Aber die Führung des Hostels schienen die Zustände wohl nicht zu interessieren.

Oben durfte ich schlafen

Oben durfte ich schlafen

Wie gesagt, sie kehrten sich nicht wirklich um die Gäste. Sie boten eine halbwegs bezahlbare Unterkunft und vermittelten Jobs. Nach dem Motto: Friss oder stirb! An der Hostelrezeption hing sogar ein Zettel (in deutscher Sprache) über Sicherheitshinweise der örtlichen Polizei. Hinter der Tischtennisplatte wurden dann am Wochenende immer die Arbeitspläne ausgehängt. Dort musste man dann schauen, wann und wo man eingeteilt wurde.

Für mich hieß es Montag und Dienstag, 6 Uhr – Mario’s Sweet potatoes. Es waren nur der eine Estländer und ich eingeteilt. Mir wurde innerlich schlecht, als mir bewusst wurde, dass ich jetzt tatsächlich früh ins Bett muss, weil ich um 6 Uhr stramm stehen muss. Stramm stehen meine ich dabei sehr ernst. Unser Zimmer hatte eine Hintertür, die direkt um Parkplatz führte. Dort standen morgens immer die Busse bereit, die uns raus auf die Farmen fuhren. Man hatte pünktlich zu sein, sonst gabs Ärger. Man wurde also auf die einzelnen Busse verteilt und ich kam mir dabei vor wie so ein Pole in Deutschland. Die werden auch immer zu zwanzigst in einem Bus raus auf den Bau gefahren und wieder abgeholt.

Jedenfalls waren bei uns im Bus noch einige Asiaten. Ich freute mich, zu gern hätte ich mit Asiaten zusammengearbeitet. Wir kamen bei der ersten Farm an. Es war allerdings nicht Mario’s Sweetpotatoes, wo ich hinmusste. Es stiegen alle Asiaten aus. Der eine Estländer und ich waren die letzten im Bus. Als und der Fahrer auf Mario’s Farm rauswarf, kam ich mir ziemlich doof vor. Keine verkackte Menschenseele war dort. Der Bus fuhr wieder weg.

morgens 5.30 Uhr: Abfahrt auf die Farm

morgens 5.30 Uhr: Abfahrt auf die Farm

Es war so ca. 6 Uhr in der Früh. Totale Stille. Naja, ich dachte an die Arbeitszeit, die ja offiziell schon begonnen hatte und das damit sehr leicht verdiente Geld. Wir saßen also beide müde erstmal nur am Straßenrand rum. Der Estländer erzählte mir, er hätte schon mal auf ein paar Farmen gearbeitet, da er anhand meiner neuen Kleidung merkte, dass ich neu war. Er kam mit verdreckten Shirts und festem Schuhwerk daher, ich mit noch sauberen Turnschuhen.

Etwa eine halbe Stunde später kam dann jemand, es schien Mario zu sein. Ein etwas älterer Herr, so um die 70+ vielleicht. Aber noch recht gut in Schuss. Ihm folgten zwei mehr oder weniger fest angestellte Mitarbeiter, sehr komische Vögel. Der eine sah heruntergekommen aus, der andere sah zwar normal aus, machte er aber den Mund auf, dachte man ein Vogel spricht. Als wenn er gerade im Stimmbruch war, total verrückt. Naja, wir folgten eigentlich nur den Anweisungen und fuhren mit den beiden Typen raus aufs Feld. Mario blieb vorne am Eingang der Farm, wo auch eine Toilette und so war. Auf dem Feld mussten wir dann halt Süßkartoffeln ernten und in Kisten packen. Die Kisten kamen dann alle nach und nach auf den Pickup. Es war anstrengend, das auf Dauer und kniend in der Sonne zu mache

Und je voller die Kisten, desto schwerer. Und je schwerer, desto schwieriger war es auch, die Kisten hoch auf den Pickup zu hieven. Vor allem, weil dort gestapelt wurde. Schnell waren die unteren Plätze vollgepackt. Das hieß dann Kisten hochheben, was wiederum noch mehr Kraft beanspruchte. Als der Pickup voll beladen war, sind wir wieder vor gefahren, zu Mario. Dort wurden alle Süßkartoffeln in eine große Maschine geworfen. Sie lagen nun in einem Wasserbecken, damit der grobe Schmutz abgeht. Dann wurden die Süßkartoffeln von mir und dem Estländer mit Hilfe eines Besen abgeschrubbt, damit die noch hängengebliebene Erde auch abging. Über ein Förderband wurde die Ware dann weiter nach vorne geschickt, wo Mario und die anderen beiden Typen die Kartoffeln dann nach Qualität und Größe sortierten und schließlich in Holzkisten/Kartonagen verpackten.

Dann war das Ganze eigentlich auch schon verkaufsfertig. Zwischendurch hatten wir zwei, drei Mal Essenspause. Mario wirkte anfangs etwas streng, aber eigentlich war er gar nicht so. Im näheren Gespräch erzählte er, dass er die Farm eigentlich nur noch als Hobby betreibt, um ein paar Kunden zu bedienen. Dazu holt er sich dann immer ein, zwei Backpacker, die mithelfen. Es war ein gutes Gefühl, zu merken, dass er gar nicht so mies drauf war. Denn grundsätzlich hört man unter Backpackern immer, dass die Chefs der Farmen immer miesgelaunte Ausbeuter seien, die mit der Peitsche hinter dir stehen, wenn du mal 2 Minuten nicht arbeitest. Aber so war er zum Glück nicht. Auf Grund seines Alters war er doch eher lässig drauf und fragte nach, wo wir herkommen, was wir so machen und wer wir sind. Waren die Kisten also fertig gepackt, ging das gleiche Spiel von vorne los: Raus aufs Feld, Kartoffeln ernten, auf den Pickup laden, vor zum Eingang fahren, Kartoffeln waschen und verpacken. So gegen 17 Uhr ca. hatten wir dann Feierabend und wir sollten wieder mit dem Bus vom Hostel abgeholt werden. Sollten… Mario und seine Kumpanen waren inzwischen auch schon weg. Und so saßen wir dort allein auf der Farm herum und warteten wie die Idioten auf diesen Bus. Handyempfang gab es leider nicht.

Eine gute halbe Stunde zu spät kam dann der Hostel-Shuttle und nahm uns gnädiger Weise mit. Wir gesellten uns zu den anderen todmüden Arbeitern und fuhren ins Hostel. Im Hostel angekommen, ging es erstmal Duschen und Umziehen. Dann musste man sich mit Essen versorgen. Wie ich nun mal bin, bin ich oft mit ein paar anderen Kollegen einfach um die Ecke. In der 224 Bourbong Street gibt’s nämlich einen kleinen „Pizza Hut“ und der hatte immer günstige Tagesangebote. Das war perfekt für „nach dem Feierabend“. Und in der 226 Bourbong Street gibt’s auch einen „Red Rooster“. Das ist eine ausschließlich in Australien vertetene (Franchise) Fastfood Kette mit inzwischen 290 Filialen, die sich auf Brathähnchen, Pommes und andere Hühnerfleischprodukte spezialisiert. Im Hostel war dann halt Feierabendstimmung, man ruhte sich aus, guckte fern und ging zeitig ins Bett, um die harte Arbeit am nächsten Tag wieder zu schaffen.

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Das Northern Territory hatte mich also wieder zurück. Ich stieg in den Airport Shuttle und fuhr nach Parap zu Andy. Es war im Prinzip alles beim Alten, außer dass Laura zwischenzeitlich mit Sam, Dan und anderen zu einem Roadtrip an die Westküste unterwegs war. Richtig schön klassisch mit dem Pickup ins Outback. Ich war etwas neidisch, wäre ich doch gern mitgekommen. Geplant war es wohl schon vor dem Bali Trip, aber ich traute mich nicht so wirklich nachzufragen, die Einladung galt nur Laura. Beim Chatten mit dem anderen Toby, den ich im YHA Hostel kennengelernt hatte, stellte sich heraus, dass er zur gleichen Zeit auch auf Bali war und auch am gleichen Tag zurück nach Darwin geAndygen war, aber eben eine Maschine früher.
Nazli und ich trafen uns noch einmal am Mindil Beach zu ein paar Bier. Wir sprachen ein bisschen über Bali, sahen und lauschten den Aboriginals, die sich mal wieder in ihrer eigenen Sprache laut brüllend stritten. Nach Sonnenuntergang verabschiedeten wir uns voneinander. Nazli war kurz vor ihrer Abreise zurück in die Türkei. ich setzte Nazli in ein Taxi und fuhr dann mit dem Bus nach Parap zurück.
Meine WTC/YHA Mitgliedskarte, mit der ich in den offiziellen YHA Hostels in Australien ein bisschen Rabatt für jede Übernachtung bekam, hatte ich irgendwo verloren. Deshalb nahm ich Kontakt zu WTC in Sydney bzw. dann direkt mit YHA Australia auf. Die schickten mir dann eine neue Karte nach Darwin.

 

Parliament House & State Library, Darwin

Parliament House & State Library, Darwin

Die Tage darauf empfand ich eine innere Leere. Aline, die mit mir und den anderen aus Frankfurt gekommen war, schrieb mich an. Sie war inzwischen in Cairns an der Ostküste unterwegs und hatte auch schon etwas gearbeitet. Flyer verteilen etc. Blöderweise hatte sie stark mit Heimweh zu kämpfen und ihr ging es wirklich nicht gut. Ihren aktuellen Job verlor sie ganz spontan und irgendwie steckte sie in Ratlosigkeit und brauchte einen Tröster. Da es mir ähnlich ging und ich sowieso nicht wusste, mit wem ich jetzt meine Zeit in Darwin verbringen sollte, bot ich ihr an, rüber zu mir nach Darwin zu kommen. Das würde wirklich perfekt passen. Wir könnten dann auch gemeinsam Arbeit suchen.

Ich erkundigte mich bei Andy nach einem Job bspw. im Souvenirshop oder sonst wo und er machte mir auch durchaus Hoffnungen. Aline wollte es sich durch den Kopf gehen lassen. Wir schrieben immer wieder, da es ihr echt nicht gut ging. Doch sie hatte nun andere Pläne und auch schon ihre Mutter nach Australien bestellt, mit der sie dann 1 Monat Sightseeing machen wollte. Leider kam sie dann deshalb nicht mehr nach Darwin. Wir schrieben dann die nächsten Wochen und Monate hin und wieder und letztlich Andyg sie mit ihrer Mutter zusammen zurück nach Deutschland. Das Weihnachtsfest feierte sie dann also bereits schon wieder in Deutschland. Ihr Heimweh hatte ihr einfach einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Zuhause bei Andy hatte Anil das offene WLAN irgendeines Nachbars entdeckt und daher hockte ich des Öfteren auf dem Küchenboden- oder Schrank und konnte zumindest mal ein bisschen heimisches TV Total & Co. sehen. Ich war zwar fast täglich in der N.T. State Library, aber dort gab es eine Begrenzung von 100MB Traffic oder 4 Std Online Zeit pro Tag. Die State Library ist im Regierungsgebäude und was daher wirklich nervig ist, ist das man bei jedem Eintritt die Sicherheitskontrolle durchlaufen muss. Das war in den State Librarys der anderen australischen Staaten anders geregelt und daher deutlich einfacher.

 

Esplanades Park, Darwin

Esplanades Park, Darwin

Zumindest aber war das Regierungsgebäude modern, sehr geräumig, schön leise und eisgekühlt. Es war jeden Tag ein kleines Erlebnis von der tropisch heißen Luft draußen in das angenehm runter gekühlte Gebäude einzutreten und dort in Ruhe am Laptop zu sitzen.  Es war inzwischen Ende September und es war wirklich sehr viel geschehen seit meiner Ankunft im August. Ich wusste noch genau, wie ich in Sydney im Internetcafé in der George Street saß und mit meiner Mutter am skypen war und ich nicht wusste, wie ich jetzt weitermachen soll, einfach wohin ich soll. Und jetzt hab ich doch schon so einiges erlebt, habe Freunde gefunden, lebe doch tatsächlich bei einem Local Aussie zuhause, nicht im Hostel habe quasi eine Plattform, ja fast schon ein zuhause. Das war echt toll! Andrerseits sind nun all die Leute in meinem Alter, mit denen ich die letzten Wochen in Darwin verbracht habe, weg.

Laura ist mit Sam & Co unterwegs, Nazli zurück in die Türkei.  Ich kannte Darwin nun bereits schon gut genug und dementsprechend wurde es doch etwas ruhig und langweilig. Da ich nun auch schon einiges an Geld verprasst hatte kam in mir mehr und mehr der Gedanke jetzt irgendwie weiterzuziehen, bspw. nach Melbourne oder so und dort zu arbeiten. Am liebsten sollte es aber irgendwas stupides, einfaches sein. Kellnern oder Verkaufen war nichts für mich. Fruitpicking wollte ich ja mal machen und es war auch die Zeit der Mangos. Ohne Probleme hätte ich an einen solchen Job  auf einer Farm in Darwins Umgebung durch Andy und seine Kontakte bekommen können. Auch das WTC Office hatte solche Jobs verfügbar. 

Das Problem für mich war aber, dass diese Farmen immer weit außerhalb von Darwin waren, d.h. im Prinzip mitten im Outback. Man wäre abgeschotten von der Stadt und es gäbe einen Gemeinschafts-Bus, der am Wochenende einmal nach Darwin und zurück fährt. Das war für mich irgendwie unvorstellbar. Den ganzen Tag auf der Farm und dann abends nur das Zimmer, das auch noch auf der Farm ist ? Das war echt kacke. Irgendwo war dann aber doch noch ein akzeptables Fruitpicking Angebot und ich rief daraufhin bei der Farm Managerin an und bekundete mein Interesse. Sie gab mir noch etwas Bedenkzeit, aber auch nur 2 Tage oder so, da es genug andere Backpacker gibt. Ich war irgendwie unsicher, was ich tun sollte. Mir schwebte eigentlich ein anderer Job vor, vor allem am besten in Melbourne, wo ja auch Marissa zurzeit arbeitete.

Ich hatte ja diesen Job Newsletter vom WTC Office in Sydney abonniert und erhielt auch regelmäßig Job Angebote. Und wie es der Zufall so wollte, trudelte genau jetzt ein entsprechender Job in Melbourne ein. Er war ausgeschrieben als Warehouse Job, DVD Picking. Es wurden schnellstmöglich 5 Leute gesucht. Sofort meldete ich mich daraufhin im WTC Office bei Max, dem zuständigen Vermittler. Gott im Himmel, es war tatsächlich noch was frei. Er merkte mich für den Job vor, aber es war zwingend erforderlich, das man schon in Melbourne ist und direkt anfangen kann. Ich war aber in Darwin, war aber natürlich bereit, nach Melbourne zu fliegen. Max wollte unbedingt wissen, wann ich dann in Melbourne bin.

Ich hatte aber ja noch nichts gebucht, also sagte ich einfach , ich hätte den und den Flug gebucht und schaffe es pünktlich zum Arbeitsstart .Daraufhin sicherte er mir den Job zu und ich war glücklich wie Bolle. Mein nächstes Abenteuer war somit gesichert. Vor allem war es echt cool, dass es das war, was ich wollte.

Es war in einer Weltmetropole und einfache Lagerarbeit. Das war ja früher sogar meine eigentliche Überlegung für die Zeit nach meiner Ausbildung gewesen. Ich hatte geplant mich für ein halbes Jahr über eine Zeitarbeitsfirma zu “verpflichten” und mich in so viele unterschiedliche einfache Jobs, für die man keine große Einarbeitung benötigt, einteilen zu lassen. Einfach, um mal einen Einblick in die Berufe fern ab des Schreibtisches im Büro zu bekommen. Mehrere Zeitarbeitsfirmen hatte ich damals angeschrieben und eine verstand mein Vorhaben sogar und hielt es auch für durchaus realistisch. Doch bevor ich konkreter wurde, hatte ich meine Pläne dann zwecks Australiens komplett umgeworfen. Jedenfalls fand ich gut, dass ich jetzt eventuell eben einen solchen “einfachen, primitiven” Job in einer Lagerhalle bekommen könnte.

Darwin ist zwar wirklich schön, aber ich sehnte mich halt auch mal wieder nach einer richtigen Großstadt. Dazu würde ich in Melbourne sogar auch Marissa wiedertreffen. Ich erzählte Anja und Andy von meinen neuen Plänen und setzte mich dann an die Buchung des Fluges. Es war Freitag und Sonntag werde ich schon nach Melbourne fliegen. Ich war für den Job angemeldet, hatte aber noch keinerlei genauen Daten, wann und wo das ganze stattfand. Samstag rief ich nochmal bei max. im WTC Office an und erhielt dann später endlich die lang ersehnte E-Mail mit allen Infos. Ich konnte auch die Namen der anderen Jobber sehen. Es schienen zwei weitere Deutsche dabei zu sein: Fenja und Nadine. Schon Montagmittag um 13 Uhr ging es los. Ich werde also bei Shock Records im Lager als DVD Picker und Umzugshelfer arbeiten. Die Firma befindet sich in Northcode, Melbourne und befindet sich aktuell im Umzug, weshalb sie auch ein paar Minijobber benötigt.

Anja  war happy dass ich einen Job gefunden hatte und verstand, dass ich aus Darwin raus wollte, um neue Erfahrungen und Leute kennen zu lernen. Andy freute sich einerseits, andrerseits war er traurig und wollte unbedingt, dass ich wiederkomme.

< Die Zeit zuvor – Bali

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Ab heute werden wir hier im Blog den spannenden Work-and-Travel-Erlebnisbericht aus Australien (53093 Kilometer und zurück! – Ein Work & Travel Abenteuer in Australien, Indonesien, Südkorea & auf Fiji) von Tobias präsentieren. Jeden Tag werden wir jeweils ein neues Kapitel veröffentlichen. Viel Spaß beim eintauchen. :-)

Und es geht schon gleich los…

Die Idee & die Vorbereitung

Auf „richtiges Arbeiten“ hatte ich noch keine Lust. Deshalb stellte ich mir gegen Ende meiner Ausbildung bei Pan Dacom die Frage: was soll ich nach der Prüfung machen? Pan Dacom würde mich sowieso nicht übernehmen und ehrlich gesagt, passte mir das total super.
Beeindruckt von meiner ehemaligen Klassenkameradin aus der Realschule, lies ich die Gedanken in mir walten. Sie war, so hatte ich über wer-kennt-wen (Facebook war damals noch nicht) herausgefunden, inzwischen zum Studieren in die USA gereist und hatte dort ein neues Leben begonnen. Später schrieb sie mir einmal: “Ich lebe hier den Traum.” (Heute ist sie übrigens immer noch in den Staaten und hat sogar geheiratet). Ich fand das toll und wollte auch weg, in die weite Welt hinaus. Als ich während meiner Ausbildung im Lager eingesetzt war, war öfter mal tote Hose und ich durfte mir dort im Prinzip sowieso einen lauen Lenz machen. Diese Zeiten nutze ich immer, um mich über mögliche Auslandsprogramme zu informieren.
Schon die letzten Jahre zuvor war ich auf Wochenendtrips quer durch Europa unterwegs. Alles fing an zu meinem 18. Geburtstag: Berlin. Angesteckt vom Reisen leistete ich mir Trips nach Zürich, Wien, Rom, Mailand, Warschau, Prag, London, Marseille, Madrid. Irgendwie war mir nach sozialem Engagement. Vielleicht Hilfsarbeit in Südafrika oder Südamerika. Oder eine Sprachreise in England oder den USA. Irgendwie sowas… Also bestellte ich mir Prospekte und stöberte auf den Homepages der großen Reiseorganisationen für Auslandsaufenthalte. Verlockend war das alles. Die tollen Bilder von Traumstränden, Safari-Touren oder ausgewöhnlichen Tieren. Allerdings waren alle Programme zeitlich fixiert, also musste begrenzt gebucht werden. 3,6 oder 12 Monate. Jede Verlängerung der Reisezeit kostet Aufpreis. Und überhaupt: Warum soll ich viel Geld dafür bezahlen, um armen Kindern in Afrika zu helfen?
Allen voran in den Prospekten: Work & Travel. Australien, Neuseeland oder Kanada. Der Vorteil: Kein zeitliches Limit. Wenn es mir gefällt, darf ich 12 Monate bleiben, wenn nicht, darf ich nach 2 Tagen auch wieder zurück. Der Rückflug ist open return und quasi freiwählbar. Von den drei Ländern, die diese Visa-Art anbieten war für mich Australien, der Spitzenreiter für junge Leute, perfekt. Nun also verglich ich die Reiseveranstalter und es kam, wie bei fast jedem, der einen solchen Auslandsaufenthalt vorhat, die Frage auf, ob ein Reiseveranstalter überhaupt notwendig ist [sieh auch: Vor- und Nachteile]. Denn grundsätzlich besteht Work & Travel aus: Flug buchen, Rucksack schnappen und los. Das Visum gibt’s online. Der Antrag ist in 20 Min durch und das Visum innerhalb 6 Stunden erteilt.
Flüge buchen, Visum beantragen etc. kann ich auch alles selber und muss dafür keine teure Reiseorganisation bezahlen. Deshalb überlegte ich einige Wochen und besuchte Vortrags- und Vorstellungsveranstaltungen von „TravelWorks“ und „StepIn“ in Frankfurt, bei denen ehemalige Reisende berichteten und Mitarbeiter Ihre Leistungen vorstellten. Es herrscht ein wahrer Kampf zwischen Befürwortern solcher Reiseveranstalter und denen, die lieber Geld sparen und alles alleine organisieren. So drückten mir nach der Veranstaltung im Kolping Haus direkt am Ausgang zwei Typen Flyer in die Hand, auf denen klar gemacht wird, das Reiseorganisationen nur Geldmacher sind und man für sein Geld nichts bekomme.

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Letztendlich buchte ich nach einigem Hin- und Her dann aber doch das Komplettpaket über den Veranstalter, da für mich persönlich einfach der Start in Frankfurt als kleine Gruppe sehr wichtig war und ich nicht komplett allein in Australien ankommen wollte.
Ich entschied mich für „Stepin“ (Student Travel & Education Programmes InterNational), da sie mir einen seriösen und angenehmen Eindruck machten. Nun musste ich noch überlegen welche Route ich buchen möchte. Das Quantas Airbus-A380 Special über Singapur? Oder doch lieber Korean Air über Seoul? Da ich schon immer ein Faible für Asien […] habe entschied ich mich für die Route mit dem Stopover in Seoul. Und da man ein solches Abenteuer ja auch nicht alle Tage macht, muss man auch richtig zuschlagen: Ich buchte noch einen Stopover auf die Fiji Inseln mit hinzu. Im magischen Moment, in dem ich auf “Buchen” klickte, begleitete mich “Inner Smile” von Texas. Mit diesem Lied brachte ich mich nämlich in die richtige Reisestimmung. Ich hatte zuvor den Film “Kick it like Beckham” gesehen, in dem am Ende des Films Jess und ihre Freundin Jules zusammen für ein sportliches Auslandsjahr in die USA fliegen. Ich kannte den Film schon aus der “Freiherr”, wir hatten damals sowohl den Film, als auch das englische Buch gelesen. Er lief nun wieder auf Pro7 und faszinierte mich einfach erneut. Das Lied am Ende motivierte mich!

Das Visum beantragte ich selber, die Flüge, ein Bankkonto, eine Steuernummer und eine SIM-Karte besorgten mir StepIn.
So vergingen nun die Wochen nach und nach. Ich traf mich mit meinem Vater bei GlobeTrotter in der Hanauer, um einen Reiserucksack und einen Schlafsack zu kaufen. Es war ein bulliger, heißer Sommertag und ich war voller Vorfreude, aber natürlich auch total aufgeregt.




Morgen folgt: Die Flüge

LagerkleinWährend meines Aufenthaltes in Australien lebte ich gerade zu Beginn relativ spendabel. Da kam mir das Jobangebot für eine Stelle in einem Lagerhaus in Melbourne gerade recht. Ich war zu dem Zeitpunkt in Darwin unterwegs, hatte aber eh Lust auf Abwechslung und Großstadtleben. Deshalb buchte ich direkt einen Flug nach Melbourne, sodass ich schon zwei Tage mit der Arbeit beginnen konnte.

Am ersten Arbeitstag wusste ich noch gar nicht so richtig, was ich mich erwartet. Ich fuhr mit der Metro nach Northocde, einem Vorort von Melbourne und fragte zwei Passanten nach dem Weg. Die Firma, das größte unabhängige australische Musiklabel, für die ich nun arbeiten sollte, befand sich ineinem Industriegebiet. Dort angekommen traf ich erst einmal auf Rihanna, meiner Betreuerin der Personalvermittlung, die mir den Job vermittelt hatte.Sie war sehr nett und brachte mich in einen Pausenraum, um mir dort den Arbeitsvertrag zu überreichen. Es kamen noch weitere Backpacker, nämlich ein Schwede, eine Norwegerin, zwei Deutsche Mädels und zwei australische Jugendliche. Zusammen füllten wir die Verträge aus und erhielten eine Führung durch die Lagerhallen. Wir waren zum einfachen Aushelfen angestellt, da die Firma einzelne Bereiche nach Sydney auslagerte und dementsprechend Lager aufgeräumt werden mussten. Wir bekamen alle eine Sicherheitsweste ausgehändigt und wurden dann von Rihanna an unseren Chef Simon übergeben. Wir begannen mit unserer ersten Arbeit: DVD Hüllen, die nicht mehr verkauft oder gebraucht wurden, ausleeren und sortieren. Hier mussten wir dann alte DVDs öffnen, das vordere und hintere Cover herausnehmen, die Begleitheftchen und die DVD- Scheiben lösen.

DVDs

Alle Teile wurden einzeln in große Kartons geworfen und wenn diese voll waren, entsprechend verschlossen. Als nächstes wurden die gefüllten Kartons auf Paletten gestapelt und dann mit Folie umwickelt. Die australischen Kollegen besaßen einen Führerschein für Gabelstapler, sodass die beiden die Paletten an den dafür vorhergesehenen Stellen einlagern konnten. Diese Arbeit machten wir über mehrere Wochen hinweg, das war ganz schön anstrengend. Vorallem weil es noch Winter war und solche Lagerhallen auch nicht beheizt sind. Morgens war es dort eiseskalt.

Zum Glück gab es aber etwas Abwechslung dazwischen: Hin und wieder durften wir in ein anderes Lager, wo noch reinkommende Bestellungen abgewickelt wurden. Das machte am meisten Spaß und man war in Bewegung: Einkaufswagen und Bestellzettel nehmen und dann durch die Gänge schlendern und jeweils die bestellten Artikel aus den Regalen raussuchen. Man durfte dabei seinen eigenen MP3 Player aufsetzen, sodass jeder seine Lieblingsmusik hören konnte, während man unterwegs war. Das war ähnlich wie beim Einkaufen im normalen Supermarkt.
Morgens gab es immer eine 15 Minuten lange, sogenannte „Smoko“, eine Frühstückspause bzw. Raucherpause und am Mittag dann auch nochmal eine einstündige Mittagspause. Wärhend der Pause konnte ich mich dann entweder etwas sonnen oder aber auch mal die zwei ca. 40 cm langen Eidechsen beobachten, die in den Gemäuern der Lagerhallen hausten.

Eidechse

Manchmal saßen wir aber auch einfach nur im Aufenthaltsraum, zum Beispiel wenn Melbourne seine berühmtem „4-Seasons-On-A-Day“ (also 4 Jahreszeiten an einem Tag) präsentierte. Vor der Pause noch das schönste Sonnenwetter, als es dann aber in die Mittagspause geht, wird es stürmig und regnerisch.
Ursprünglich hatte ich geplant, dort etwa 4 Wochen lang zu arbeiten. Letzendlich war ich aber etwa 8 Wochen bei dieser Firma beschäftigt, da es eigentlich ziemlich leicht verdientes Geld war. Die Arbeiten waren alle nicht schwer und durchaus machbar. Gegen Ende hin wurde es immer lockerer, manchmal hatten wir sogar gar nichs zutun und spielten mit einem aus Klebeband selbst gebasteltem Ball Fußball.

Aus Tobias Sieberts Erlebnissen (53093 Kilometer und zurück) während seines Work-and-Travel-Aufenthalts.