Zu allererst einmal haben wir einen Stadtbummel gemacht, sind zu Starbucks und haben uns einen leckeren, fetten Kaffee geholt. Dann ging’s zur “Good Morning City”. Die Adresse: 247, Jangchungdan-ro, Jung-gu, Seoul (auf Koreanisch: 서울특별시 중구 장충단로 247 (을지로6가) alles klar? ;) ) Good Morning City ist eines der größten Shopping Center in Korea und besitzt 23 Stockwerke mit über 700 Geschäften / Verkaufsständen. Ich brauchte nämlich dringend einen Pullover oder eine Jacke. Vor den Eingängen war ein großer Platz mit Fressbuden und weiteren Verkaufsständen, super um einfach zu flanieren. Im Center selber herrschte reges Treiben. Es war nicht so wie bei uns in Deutschland.

Es war eher eine Art überdachter, sortierter Andyhmarkt in einem modernem Shopping Center. Überall waren Marktstände mit Kleidung. Aber es war alles sortiert, also Frauenbekleidung auf dem Stockwerk, Männerkleidung auf dem anderen. Wir liefen durch die Gänge und wurden unzählig mal angesprochen, die Verkäufer riefen einem zu, versuchten uns ihr Zeug anzudrehen. Hier und da schaute ich mal und überlegte. An einem Stand dann gefiel mir eine anthrazit farbene Sweatjacke, die ich anprobierte. Dawoom konnte ein bisschen auf Koreanisch mit dem Typ reden, sie übersetzte für mich Fragen und meine Preisverhandlung.

Dann kaufte ich das Teil und war froh, endlich eine Jacke zu haben, die mich zumindest etwas warm hält. Und ein brauchbares Andenken an Südkorea ist es heute auch noch (außer das ich inzwischen leicht zugenommen habe und die Jacke nicht mehr 100% passt). Danach sind wir vor das Gebäude und haben uns noch einen Kaffee und ein paar koreanische Snacks geholt. Ich liebe ja diese kleinen Straßenverkäufer, die in Seoul an jeder Straßenecke stehen, wo viele Menschen vorbeikommen (z.B. Metrostationen oder eben Kaufhäuser). Der “Hot Dog Korean Style” hatte es mir besonders angetan. Eine am Stiel befestigte normale Wurst, ummantelt von einer dicken Schicht Panade, mhhh lecker! Perfekt um es “2 go” zu essen und es macht für eine Zeit lang auch satt. Solche kleinen Snacks gab es massig bei diesen Straßenverkäufern. Und an manchen Ständen konnte man sich sogar in einem geheizten Mini-Zelt zum Essen kurzzeitig unterstellen.

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Am nächsten Tag sind wir zusammen zum “N Seoul Tower”, dem Fernsehturm von Seoul. Er ist 236,7 m hoch und besitzt zwei innere, öffentlich zugängliche Aussichtsplattformen, eine offene Terasse und ein Drehrestaurant. Er liegt auf dem Berg “Namsan” und wird deshalb auch oft Namsan Tower genannt. Man kann entweder per Seilbahn zum Eingang fahren oder einfach, so wie wir, hochlaufen. Noch unterhalb des Namsan rief Dawoom ihre Mutter per Videoanruf an, da ihre Mutter mich auch mal sehen wollte:) Dann sind wir erstmal ein Stück hoch gelaufen, bis wir beim Eingang des Turms waren. Mit dem Aufzug ging es dann hoch auf die Aussichtsplattform. Dort machten wir, wie üblich, Fotos und erlebten Seoul von oben und bei Abenddämmerung. Amazing! Absolutes Großstadtfeeling! Auf der Außenterasse des Tower, den Stegen entlang, befinden sich etliche Liebesschlösser. Den Brauch gibt es ja auch in Deutschland, aber so viele Schlösser auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen!

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Irgendwann sind wir dann wieder runtergelaufen und mit der Metro zurück in die City gefahren. Als Fahrkarte kauft man hier Chipkarten, die aufgeladen werden. Um zum Bahnsteig zu kommen, gibt es elektronische Drehkreuze/Schranken, die durch die Chipkarte entriegelt werden können. Dabei wird man dann zunächst eingebucht und dort, wo man dann aussteigt, muss man nochmal durch die elektronischen Durchgänge und wird ausgebucht. Anhand dessen weiß das System dann auch, welche Strecke man gefahren ist und wie viel Geld von der Karte abgebucht wird. Auf die Karten wird bei Kauf ein Pfand erhoben, somit können die Karten an den Fahrkartenautomaten auch wieder retourniert werden.

Am späteren Abend haben wir uns dann aber nochmal getroffen. Dawooms Freunde wollten mich kennenlernen und deshalb sind wir alle zusammen koreanisch essen gegangen. Wir verabredeten uns irgendwo in Seoul, ich weiß gar nicht mehr genau wo. In irgendeiner Gegend, wo nachts viel los ist. Zunächst traf ich mich mit Dawoom, dann sind wir zusammen zum Treffpunkt. Dort warteten auch schon ihre beiden Kollegen. Der eine hieß 오세기 (europäischer Name lautet Seagi Oh) und den Namen des anderen weiß ich leider nicht mehr. Sie waren sehr freundlich, sie hatten mir und Dawoom während sie auf uns warteten einen koreanischen Hot-Dog geholt, weil sie wohl von Dawoom wussten, dass ich den so gerne mag. Dann bin ich den drei eigentlich auch nur gefolgt, denn sie waren es, die sich hier auskennen. Sie führten mich in ein ihnen bereits bekanntes koreanisches Restaurant, das relativ nobel aussah und es laut ihren Angaben auch war.

Seagi konnte ein bisschen englisch sprechen, nicht viel, aber zumindest ein wenig. Der andere koreanische Freund leider gar nicht. Aber der war eh einer der Sorte “gemütlich”. Etwas pummelig und ziemlich zurückhaltend und ruhig. “Soju” trinkmäßig aber gut dabei! Seagi hingegen war ziemlich offen und war ziemlich interessiert an mir. Ich glaube er fand es sehr spannend jemanden aus Europa kennen zu lernen. Andersrum war es ja nicht anders. Ich fand es super, wieder (“wieder” auf Grund meiner Zeit bei Andy in Darwin) mit wirklich einheimischen Koreanern aus Seoul unterwegs zu sein. Nur so lernt man die wirkliche Kultur und Informationen abseits des Tourismus kennen. Es gab verschiedene koreanische Köstlichkeiten, die auf einer großen Platte mitten auf dem Tisch, zum Teil auf dem Tisch selber erst zubereitet, platziert wurden. Jeder nahm sich dann etwas von dem Hauptteller auf seinen Teiler. Dazu gab es natürlich viel Soju und die Stimmung war echt gut.

Der Kellner machte auch ein Foto von uns. Als wir dann gehen wollten, weigerten Seagi und die anderen sich, mich auch einen Teil zahlen zu lassen. Ich sei eingeladen, sagten sie mir. Ich war wirklich überrascht von dieser unglaublichen Gastfreundschaft, die Sie mir gegenüber pflegten. Ich mein, die beiden Jungs kannten mich vorher nicht einmal, begrüßten mich aber gleich mit einem Hot-Dog und luden mich dann auch noch zum Essen ein. Dabei waren sie wirklich die ganze Zeit freundlich und sehr interessiert an mir. Als wir dann noch ein bisschen durch die Gassen zogen, es war noch viel los draußen, wollten sie auch unbedingt Fotos mit mir. Dieses Interesse an mir fühlte sich toll an. Gegen Mitternacht oder so trennten sich dann unsere Wege wieder und wir vereinbarten, über Facebook und Co. in Kontakt zu bleiben. Leider scheiterte ein zweiter Versuch die Tage darauf noch einmal Abendessen zu gehen.

 

In meinem Hostelzimmer war nun eine Koreanerin eingezogen. Sie konnte gut Englisch sprechen und erzählte uns, dass sie irgendwo aus Korea kommt, sich aber als Stewardess bei einer Fluggesellschaft in Seoul beworben hatte und für das Vorstellungsgespräch ein, zwei Nächte nach Seoul gekommen ist.

Am vorletzten Tag traf ich mich nochmal mit Dawoom, weil wir zusammen in den Lotte World Freizeitpark fahren wollten.. Lotte World ist der größte Indoor-Freizeitpark der Welt, der aber sowohl einen Indoor (“Adventure”), als auch einen Außenbereich namens “Magic Island” hat. Lotte World gehört zu Lotte, einem riesen, koreanischen Konzern, der in mehreren Sparten tätig ist. Vor allem die gigantischen Lotte Kaufhäuser gibt es inzwischen weltweit. Aber auch in den Bereichen Nahrungsmittelindustrie, Elektroindustrie, IT Dienstleistungen, Hotellerie, Finanzdienstleistungen, Chemieindustrie und im Maschinenbau ist Lotte tätig.

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Der Name Lotte klingt nicht wirklich koreanisch und das ist er auch nicht. Der Name ist deutsch! Lotte Gründer Shin Kyuk-Ho war Goethe Fan und besonders von Charlotte (“Lotte”), einer Hauptfigur in Goethes Roman “Die Leiden des jungen Werthers” begeistert. So kam es dann zum Namen dieses Weltkonzerns.
Der Eingang zum “Park” befand sich quasi mitten in der B-Ebene der gleichnamigen Metrostation. Und Metrostationen sind in Seoul eh ein Thema für sich. Die sind alle noch viel größer, als ich sie bisher je gesehen hatte. Aber ist ja auch klar, Seoul ist voll von Menschen! kein Wunder, dass eine Station mal locker 14 verschiedene Ein-und Ausgänge in alle möglichen Richtungen hat. Die B-Ebenen von den hiesigen Metrostationen waren im Prinzip eigene kleine Welten. Hier gab es allerlei Geschäfte und Handel.

Der Bahnsteig der Metro ist hier zusätzlich abgesichert. Man kann somit nicht einfach aufs Gleis. An der Einstiegskante des Bahnsteigs ist nämlich eine durchgezogene Glasfront, also eine Art Mauer. Man läuft also gegen eine Glasscheibe, wenn man einfach aufs Gleis runtersteigen wollen würde. Es gibt aber alle paar Meter Türen. Diese gehen aber nur auf, wenn ein Zug gerade an der Station hält. Der Zug hält also mit seinen Türen genau passend an den Glastüren des Bahnsteigs. Dann werden beide Türen geöffnet und die Passagiere können ein- und aussteigen. Das ist ziemlich gut gelöst.

Lotte World hat viel Spaß gemacht, vor allem meine Lieblingsattraktion: der Freefall Tower. Dawoom traute sich leider nicht, deshalb bin ich alleine gefahren. Neben mir saß eine junge Koreanerin, die mit ihren Freunden unterwegs war. Sie guckte mich ein paar Mal an, lächelte und sprach koreanisch, zum Teil zu mir, zum Teil zu ihren Freuden. Sie war total aufgeregt und schrie als wir oben in der Luft hingen wie wild um sich. Vor lauter Angst gepaart mit guter Laune hielt sich an meinem Arm fest und rief mir hysterisch irgendwas zu. Ich verstand natürlich nichts, aber das war ja nicht schlimm. Diese Asiaten sind einfach zu lustig, wenn sie aufgeregt und in ihrer Sprache untereinander sprechen. Wir waren einige Stunden in Lotte World unterwegs. Dabei fiel mir auf, das Dawoom alle paar Minuten auf ihr Smartphone schaute und mit ihren Freunden schrieb. In Korea nutzt man untereinander hauptsächlich Kakao Talk, nicht WhatsApp. So wie in Russland zum Beispiel auch Facebook nicht das größte soziale Netzwerk ist, sondern“VKontakte”.

Generell schien mir in Korea die Technologie sehr weit zu sein. Das hatte mir Louis einst in Sydney auch mal gesagt, doch ich belächelte das eher. Aber Korea war tatsächlich deutlich modernisierter in Infrastruktur und Unterhaltungselektronik. Jemanden mit einem Smartphone so groß wie ein Tablet telefonieren zu sehen (was ziemlich schräg aussieht), war keine Seltenheit.

Die letzten Tage bin ich dann noch ein bisschen allein umhergezogen, war in einer anderen, riesigen Markthalle, die wirklich unfassbar groß war, in der leider aber für mich nur unbrauchbare Klamotten und Krimskrams verramscht wurden. An dem Treppenaufgang einer Metrostation kaufte ich mir bei einer Straßenhändlerin noch ein Seoul T-Shirt als Souvenir für Deutschland. Auch einen koreanischen Subway hatte ich in dieser riesigen Metropole zufällig ausfindig gemacht. Die australischen Sub’s waren ja wirklich noch OK und unseren europäischen recht ähnlich, aber diese Teile schmeckten wirklich einfach anders. Kurz vor Abreise aus Korea besorgte ich noch einen koreanischen Zitronentee und eine Flasche koreanischen “Soju”. Zusammen mit dem “Fiji Water” und dem “Knabbergebäck aus Fiji” ergab das mein “Mitbringsel-Paket” für meine Mutter zum Geburtstag:)

Nun war auch meine Woche in Südkorea so langsam rum und am letzten Morgen ging ich runter zur Rezeption, um auszuchecken. Die Jungs bekamen ja auch noch Geld von mir. Leider war nur niemand da. Ich wartete noch gut 45 Minuten, vertrieb mir die Zeit am PC. Irgendwann schrieb ich dann aber einen Zettel, entschuldigte mich und bat um Verständnis, da ich wirklich gehen musste. Ich machte mich auf zum Flughafen nach Incheon und gab mich dem inzwischen normal gewordenem Prozedere hin: Gepäckaufgabe, Sicherheitskontrollen etc.
Im Passagierbereich angekommen, hatte ich noch gut 2 Stunden Zeit. Ich ging einen Kaffee trinken und setzte mich dann in eine öffentliche Lounge mit kostenfreiem WLAN, wo aber auch kostenfrei Laptops zum Surfen zur Verfügung gestellt wurden. Dort verbrachte ich dann noch einige Zeit, bis ich dann endlich ins Flugzeug durfte.

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10 weitere Stunden Flugzeit waren dann endlich irgendwann ‘rum – ich natürlich super aufgeregt und zugleich glücklich wieder in meiner Heimat zu sein. Mit meiner Mutter hatte ich vereinbart, dass mich bitte nur sie und ein, zwei andere ganz normal abholen kommen und keine peinlichen Abholaktionen gestartet werden. Vom Flieger ging es dann die üblichen kilometerlangen Wanderwege am Fraport zur Gepäckausgabe. Dieses Gefühl, wenn alle um dich herum wieder deine Muttersprache sprechen und dir jedes Schild und alles so vertraut vorkommt, war einfach toll. Also ich dann durch den Zollausgang durch bin, sah ich direkt schon meine Mutter, meine Tante & Co mit einem tollen selbst gebasteltem Transparent “Welcome Tob(y)”, das sie wild gestikulierend nach oben hielten. Peinlichkeitsfaktor = 100% :) (Aber war ja lieb gemeint!)

Ich begrüßte alle und freute mich natürlich schon, konnte das aber wahrscheinlich nicht unbedingt zeigen. Relativ unmittelbar haben wir uns dann auf zwei Autos aufgeteilt und waren beim „Marjan“ (-> jugoslawisches Stamm-Restaurant) am Frankfurter Südbahnhof erstmal lecker essen. Als wir später dann daheim waren, musste ich unbedingt erstmal kurz mein Auto ausfahren. Es fühlte sich an, wie das erste Mal nach der Fahrschule alleine mit dem Auto zu fahren. Mein Bett war von Mama frisch bezogen und schön her gerichtet worden. Ich schlief die Nacht seeehr gut und das Gefühl, sein eigenes, vor allem vertrautes Zimmer zu haben, in dem Nachts auch ganz sicher niemand rein kommt, war ein wirklich wunderbares und inzwischen fast vergessenes Gefühl geworden. Die nächsten Tage verbrachte ich erstmal mit der Eingewöhnung an zu Hause. Ziemlich bald setzte ich mich aber schon an die ersten Bewerbungen um einen neuen Job, denn ich brauchte echt dringend Kohle.

 

Das war nun also mein Auslands-Abenteuer.

Es kam nun doch ein richtiges, kleines Buch heraus, aber es gibt halt auch so unendlich viel zu erzählen. Wie du sicher gemerkt hast, war ich letztlich doch recht faul, und habe eher „getravelt“, als „geworked“. Ich ließ es mir vor allem zu Beginn meiner Zeit in Australien ziemlich gut gehen und musste deshalb später einige Dinge doch von meinem Plan streichen. Eine Fahrt mit dem „Ghan“, der Zug, der von Darwin durchs Outback bis runter nach Aidelade fährt, und dabei vier Klimazonen und 22,5 Breitengrade durchquert, hätte ich z.B. gerne noch gemacht. Man fährt dabei 2979 km ist dafür ungefähr 2 Tage lang im Zug unterwegs. Aber das ging dann finanziell leider nicht mehr.

Ich hoffe, ich konnte mit diesem Buch jedem, der es tatsächlich gelesen hat, meine Erlebnisse und meine Zeit im Ausland so auf interessante Weise näherbringen. Und obwohl mein Erlebnisbericht nun doch so viele Seiten hat, habe ich ganz sicher noch viele, viele Sachen vergessen. Ja, wirklich! Zum einen, weil ich so unglaublich viel erlebt habe und dann den dummen Fehler gemacht habe, über meine erlebten Tage kein Tagebuch zu schreiben. Somit vergisst man viele Dinge und Details aus dem Alltag vor Ort, die es eigentlich wert wären, fest gehalten zu werden. Zum anderen aber, kann ich viele erlebte Momente und Gefühle nicht in Worte fassen. Ihr müsst einfach selber den Mut packen und in die Welt hinausgehen, um die Dinge, die ich erleben durfte, wirklich nachempfinden zu können. Und das ist es, was ich jedem in Zukunft raten werde: Nach der Schule einfach seine sieben Sachen packen und abhauen. Man lernt so unfassbar viel dabei und die Erfahrungen kann einem keiner mehr nehmen. Leider konnte ich zwei Dinge, die ich mir eigentlich vorgenommen hatte, dann doch nicht verwirklichen: einen richtigen, längeren Outback Trip fernab jeglicher Bevölkerung und Camping am Strand. Aber wer weiß, vielleicht ergibt sich das ja doch noch einmal irgendwann?

Abschließend zu erwähnende Dinge:

  • 2012 wütete Zyklon Evan mit über 270 km/h über den Fiji Inseln und auch Malolo Island wurde dabei ziemlich zerstört und musste an vielen Stellen restauriert werden.
  • Das verloren geglaubte Päckchen von meiner Mutter und Co zu meinem Geburtstag im Oktober 2010 kam ziemlich unverhofft im Sommer 2011 zerdetscht und bearbeitet zu Hause an.
  • 2011 hat doch tatsächlich die erste Cotton On Filiale in Berlin eröffnet. Inzwischen gibt es noch weitere in Berlin und auch noch jeweils eine Filiale in Essen und in Oberhausen.
  • Die „Work & Travel Company“ ist 2012 aus der 234, Sussex Street in die 750m entfernte 59, Goulburn Street umgezogen.
  • Meine Steuerrückerstattung schleppte ich bis nach Deutschland mit mir mit. Laut supertaxrefunds sollte ich nun selber mal beim australian taxation office (also bei der Steuerbehörde) anrufen und nachfragen. Allein das fand ich schon ganz schön nervig, immerhin werben sie damit auf der Website, dass eben sie beim ATO anrufen, sollte es irgendwelche Probleme geben. War mir dann aber alles zu blöd…Ich rief also eines frühen Morgens in Canberra an und schilderte den ganzen Sachverhalt mit dem Zusenden von Unterlagen an supertaxrefunds und das die mir nun sagen, dass das taxation office noch eine Unterschrift von mir möchte, ich aber bis dato nie irgendeine Nachricht vom taxation office erhalten habe und deshalb nun vermutlich alles schon seit Wochen ruht. Das Telefonat war witzig: man wurde gefragt, woher man anruft und dann wurde automatisch eine Konferenz geschaltet: die Sachbearbeiterin meines Steuerfalles, eine Übersetzerin, die von englisch ins deutsche und vom deutschen ins englische übersetzte und ich. Schlussendlich sendete man mir nochmals ein Dokument per E-Mail, das ich nochmal unterschreiben und zuscannen musste. Wenige Wochen später erhielt ich dann endlich meine Steuern zurückerstattet. Ich versuchte noch einen Rabatt bei supertaxrefunds rauszuschlagen, da ich mit der ganzen Bearbeitung meines Steuerfalles nicht zufrieden war und das ja nun locker mal 3 Monate oder so gedauert hat, aber die hatten bei der Überweisung auf mein Bankkonto ihr Honorar natürlich schon in voller Höhe abgezogen.
  • Am 26. Juni 2013 wurde Julia Gillard als Vorsitzende der Australian Labour Party abgewählt. Sie verkündete in diesem Zusammenhang ihren Rückzug aus der Politik. Vorsitzender der Partei ist nun Kevin Rudd, der schon 2006-2010 in diesem Amt war, dann aber für 3 Jahre von Julia Gillard, der ersten weiblichen Regierungschefin von Australien, abgelöst worden war. Am 07.September 2013 wurde im Rahmen der Parlamentswahl in Australien die bis dato regierende Labour Partei von den Bürgern abgewählt und Tony Abbott von der Liberal Party of Australia zum neuen Premierminister gewählt. (Labour Partei & Liberal Party of Australia sind die zwei größten Parteien in Australien). Tony Abbott war in der Zeit von Julia Gillard ihr größter politischer Feind, dem sie unter anderem Sexismus und andere Gemeinheiten (z.B. „Ditch the Witch“ -> „schmeißt die Hexe weg „ / „werdet die Hexe los“. Tony entwarf ein Plakat mit einer Hexe auf einem Besen. Julia Gillard ist rothaarig. ) vorwarf. Sein mitunter aggressives Auftreten und seine Vergangenheit als Priesterseminarist brachten ihm den abwertenden Spitznamen „Mad Monk“ (verrückter Mönch) ein. Die Wahlbeteiligung liegt meist bei ca. 95%. Das liegt an der dort vorhandenen Wahlpflicht. Da im ersten Weltkrieg so viele Australier gefallen sind, sah man es als eine Verpflichtung an, die hart erkämpfte Freiheit und Demokratie dringend wahrzunehmen und führte deshalb die Wahlpflicht ein. Wer 1x nicht wählen geht, muss $AUD 20.00 bezahlen, wer sich mehrfach dem Wahlgang entzieht, könnte offenbar sogar mit Gefängnisstrafe rechnen. Doch soweit kommt es wohl nie, laut meiner Recherche werden einfach weiter Geldstrafen verhängt.
  • Alex aus Mauritius hat Darwin (& Andy) irgendwann nach mir auch verlassen und war dann recht lange in Sydney unterwegs. Dann war er irgendwie ganz außerhalb Australiens und inzwischen ist er laut eigener Aussage wieder in Australien unterwegs. Auch andere wie z.B. Saki, die ich in Melbourne kennengelernt hatte, ist andauernd irgendwo in der Welt unterwegs. Zuletzt machte sie eine Europa-Rundreise.

ebook-329Etwa 10 Stunden Flug und mehr als 8000km Andyg ich nun schräg östlich nach Seoul in Südkorea. Auf Südkorea freute ich mich auch schon riesig! Am Flughafen Incheon angekommen, kannte ich mich ja inzwischen schon ein bisschen von meinem Umstieg auf dem Hinflug mit Marissa und den anderen aus. Nachdem die behördlichen Dinge mit dem Pass und der Einreise erledigt waren, befand ich mich in der großen Vorhalle des Flughafens. Was zuerst auffiel: Es herrschte Winter. Keiner hatte hier kurze Hosen oder gar Flip Andyps an. Alle waren eingepackt in dicke Mäntel. Auch für mich war nun das warme, tropische Wetter endgültig Vergangenheit :( Das Problem nur: ich hatte kein einziges warmes, langes Oberteil mehr. Nur noch eine kaputte Regenjacke besaß ich, bei der aber der Reißverschluss nicht mehr in Ordnung war.

Ich hatte mir schon in Australien ein entsprechendes Hostel rausgesucht und natürlich auch mit Dawoom vereinbart, dass wir uns treffen werden, sobald ich in Seoul bin. Mein Hostel liegt in Hongdae, einem sehr angesagten (Party) Viertel in Seoul, vor allem auf Grund der vielen Studenten, die die hiesige Hongik University besuchen. Das Hostel war für die Lage recht preiswert und machte auf den Bildern im Internet einen sehr modernen Eindruck nach westlichem Standard. Ich hatte mir rausgesucht, welche Busverbindung ich vom Flughafen nehmen muss und wie mein Weg zum Hostel ist. Am Flughafen dann aber war ich leicht überfordert, fand meine Zettel nicht und fragte daraufhin am Info Schalter nach. Das Hostel kenne man nicht, sagte mir eine koreanische Dame in einem ziemlich genervt wirkendem Unterton. Sie fand auch keine Informationen zum Hostel im PC und konnte mir deswegen nicht weiterhelfen. Nach ein paar Minuten bin ich einfach zu einem anderen Schalter, dort half man mir besser.

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Ich bin dann zu den Bushaltestellen vor das Gebäude und ja, es war arschkalt in Seoul. Mit ein paar koreanischen Won kaufte ich ein Busticket beim Fahrer und setzte mich in den Bus. Schon hier gab es die erste Sprachbarriere, da der Busfahrer kaum ein Wort Englisch sprach. Überall hörte ich die Leute koreanisch sprechen und verstand dabei kein einziges Wort. Ich saß wartend im Bus und betete, es ist auch wirklich der Richtige. Der Bus entfernte sich dann vom Flughafen Gelände, bretterte mit 100km/h über die südkoreanische Autobahn (schön 4 / 5-spurig) in Richtung Seoul City. Ich hatte etwas Angst, dass die Haltestellen nicht angesagt werden oder ich die Ansagen nicht richtig verstehe, denn das konnte schon leicht passieren. Auch sämtliche Schilder auf den Straßen waren in südkoreanischen Schriftzeichen und signalisierten meinem Gehirn pures Chaos. So ‘ne knappe Dreiviertelstunde später etwa kam ich aber in Hongdae an und stieg aus. Es war langsam dunkel geworden. “Ähm ja…”, dachte ich. Da war ich nun: in der 11 Mio. Metropole. Überall Menschen, 7 verschiedene Abzweigungen in verschiedenste Richtungen, keine Straßenschilder.

Alles klar! Ich hatte keinen Funken Ahnung, wohin ich nun musste. Überall blinkte irgendwelche bunte Reklame, Hinweisschilder waren für mich nicht lesbar. “Ohman!” Direkt vor mir war die Hongdik University Metro Station, die für die nächste Woche meine Ein- und Austiegsstation sein wird. Die ganze Zeit strömten immer wieder gleich aussehende Asiaten aus der B-Ebene nach oben, während gleichzeitig genauso viele nach unten wollten. Es gab regelrechten Stau an den U-Bahn Eingängen. Ich versuchte ein, zwei Leute zu fragen, aber entweder sie wussten nicht, wo und was das “Kimchee Hostel” war oder sie verstanden kein Wort von dem, was ich sagte. Mit meinem großen Rucksack stand ich ziemlich ratlos dort, hunderte Menschen rasten an mir vorbei, ohne mich zu beachten. Ich bin dann in eines der unzähligen Restaurants und versuchte dort mein Glück.

Der Herr sprach, Gott sei Dank, er konnte englisch und ich erzählte ihm, dass ich nicht weiß, wie ich zu meinem Hostel komme. Er wusste es natürlich auch nicht, Seoul ist riesig und etliche Straßen haben auch keinerlei Namensschilder oder überhaupt Namen. “Mapo-gu, Yeonnam-dong 570-16” lautete die Adresse. Mapo-gu ist der Stadtbezirk, Yeonnam-dong das wiederrum zum -gu zugehörige Bezirk.

Deshalb drückte ich ihm die Telefonnummer des Kimchee Hostel in die Hand und freundlicherweise rief er dort für mich an. Er konnte alles klären, jemand würde kommen und mich dort abholen. Ich durfte im Restaurant warten, bis mich dann ein etwa gleichaltriger Typ in Flip Andyps (wohl gemerkt bei etwa 5 Grad) abholte. Ich folgte ihm zu Fuß bis zum Hostel. Sein Englisch war erstaunlicherweise sehr gut. Koreaner, die so gutes Englisch sprechen, sind nämlich wirklich rar. Er erzählte mir ein bisschen vom Hostel und dass sie verschiedene Aktivitäten anbieten. Donnerstags zum Beispiel kann man sich der Gruppe anschließen und gemeinsam pubcrawlen (Kneipenbummel, so viele Kneipen wie möglich an einem Abend). Am Hostel dann angekommen, zog ich meine Schuhe aus (das ist in Korea üblich) und wollte den Papierkram mit ihm erledigen. Ich befand mich bereits mitten im Wohnzimmer, wo bereits ein paar andere Gäste zusammensaßen. Nach wenigen Worten stellten wir aber fest, dass ich im falschen Kimchee Hostel war.

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Der Typ besaß mit einem Kollegen zusammen zwei Hostels, das Kimchee Guesthouse und das gerade erst neu eröffnete Kimchee Hostel. Ich war jetzt im Kimchee Guesthouse, gebucht hatte ich aber das Hostel. Also bin ich grad’ wieder raus und er brachte mich, ein paar Ecken weiter, zum Hostel. Das hatten sie erst vor etwa 3 Wochen eröffnet. Er hatte mit seinem Kumpel studiert und dann das Guesthouse aufgemacht. Das lief ganz gut, sodass sie sich entschieden hatten, ein weiteres Hostel aufzumachen. Bei meiner Recherche zu diesem Buch habe ich nun gesehen, dass die beiden das inzwischen klarer strukturiert haben. Es heißt jetzt nur noch “Kimchee Guesthouse” und gibt davon mittlerweile ganze fünf Stück: In Seoul-Sinchon, Seoul-Hongdae (wo ich war), Seoul-Dongdaemun, Seoul-Myeondong und Seoul-Station (Hauptbahnhof).

Das Hostel, in dem ich gewesen bin, war im Prinzip ein normales Wohnhaus gewesen, das sie aber günstig aufgekauft hatten. An der Eingangstür unten musste man einen Zugangscode eingeben, es ertönte ein kurzes “Dingeldidong” und man stand im Treppenhaus. Es gab zwei Stockwerke: im ersten war dann quasi eine kleine Wohnung, in der sich der Aufenthaltsraum mit TV, 2 PC’s, einer Küche und einer kleinen Rezeption befand.

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Er prüfte kurz meine Daten, ich bezahlte zunächst nur einen Teilbetrag, weil er nicht wechseln konnte und gab mir dann den Code für die Tür unten. Einen Zimmerschlüssel gab es nicht. Wie Luxus kam es mir vor, als er mir sagte, dass die PC’s (Flachbildschirme, schnell, mit funktionierenden Headsets) zur kostenfreien Benutzung zur Verfügung stehen. Seitdem mein Laptop in Brisbane kaputt gegangen war, musste ich immer für Internet bezahlen und auf meine Zeit achten (außer in Townsville, aber da waren es so Uralt-PC’s). Und vor allem das südkoreanische DSL…ein Traum!

Dann bin ich mit ihm ein Stockwerk höher, in die andere Wohnung. Da das Haus halt komplett dem Hostel gehörte, waren die Türen offen. Im zweiten Stockwerk gab es dann zuerst einen Flur, von dem dann mehrere Zimmer abgingen. Ein Einzelzimmer, zwei Zweibett-Zimmer glaube ich und ein 8-Bett Zimmer. Ich war im 8-Bett Zimmer. Dazu ging es nochmal eine Treppe hoch, denn der Bereich mit den 8 Betten war direkt unter dem Dach. Zwischen dem Dachgeschoss und dem Erdgeschoss gab es aber auch nochmal ein kleines, privates Zimmer mit Bad für zwei Personen.

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Oben waren 6 Betten schon belegt, ich war der 7. Zwar war es recht gemütlich, aber total kalt. Irgendwie hatten Sie das Hostel, meiner Meinung nach, zu früh eröffnet. Es gab keine funktionierende Heizung, es wurde einfach eine mobile 220V Elektroheizung ins offene Dachgeschoss gestellt, die dann zumindest etwas Wärme brachte. Aber wirklich effektiv war es halt nicht, da das Dachgeschoss offen war, also kein geschlossener Raum. Auch das Bad im Erdgeschoss war zwar schick und modern, mit tollen ebenerdigen Vollglas-Duschkabinen, alles noch ganz neu. Beheizt wurde es aber leider nicht und zum Teil waren sogar auch noch Schutzfolien auf dem Mobiliar. Zumindest die hätte ich doch entfernt, wenn ich das Hostel offiziell eröffne?! In meinem 8-Bett Zimmer waren eine dunkelhäutige Engländerin mit einer Freundin, ein Amerikaner und noch ein paar andere.

Ich wagte es am Abend nochmal vor die Tür, hätte das aber besser bleiben lassen. Ich schwöre, ich bin etwa 5 Minuten lang vom Hostel aus um die Straßen gelaufen und hab mich vollkommen verirrt. Ich hatte keinen blassen Schimmer mehr, wo ich war und wie ich zurückkomme. Ich fragte ein paar Leute, aber erfolglos. Dann bin ich in ein Restaurant namens “Oktoberfest” rein, hatte die Hoffnung hier vielleicht sogar ein paar Leute auf Deutsch antreffen zu können, aber dem war nicht so. Mit zwei Geschäftsleuten kam ich kurz ins Gespräch, aber sie kannten sich leider auch nicht aus. Abgesehen von dem Problem, dass ich hier gerade zu bewältigen hatte, wurde mir auch nochmal so richtig deutlich, dass deutsche Gastronomie im Ausland IMMER = Bayern ist.
Ich habe viele deutsche Restaurants in Australien und auch eines auf Bali gesehen, und es hat immer irgendwas mit Bayern zu tun. Gibt es irgendwo einen “German Sausage” Stand, sind es bayerische Rostbratwürstchen. Deutsches Bier im Ausland wird eh immer mit dem Münchener Oktoberfest und bayerischer Tracht in Verbindung gesetzt. Die deutschen Restaurants sind immer in den blau weißen, bayerischen Landesfarben. Mir ist das richtig aufgefallen! Naja, wie auch immer…

Dann stieg ich zu einem Taxifahrer ins Auto, er musste ja schließlich wissen, wo es lang geht, wenn ich ihm die Adresse hinhalte. Aber auch er fuhr planlos um die Häuser und kam nicht zum Ziel. Ohne Witz, er fuhr mich zur Polizei. Wir beide dann ins Präsidium rein…ich war bisschen aufgeregt. Die Polizei besaß eine riesige Stadtkarte, die sämtliche Bezirke bis ins kleinste Detail zeigte. Dort konnte man dann auch endlich die blöde Adresse meines Hostels ausfindig machen. Das Problem, weshalb man solche Schwierigkeiten beim Finden irgendwelcher kleinen Gassen hat, ist folgendes:
Seoul ist in 25 Stadtbezirke (sogenannte “-gu’s”, Gangnam-gu aus Gangnam Style von “Psy” ist eines davon!) eingeteilt. Die -gu’s sind selber aber noch einmal in 522 “-dong’s” unterteilt und selbst die 522 -dong’s sind nochmal in 13.787 “-tong’s” aufgesplittet. Aber auch die -tong’s teilen sich am Ende noch einmal auf 102.796 (!) “-ban’s” auf. Puh! Und wenn man es mal selbst erlebt hat, merkt man schnell, dass die Gassen unfassbar verwinkelt vorzufinden sind. Wie ein Labyrinth…Da ist es klar, das schnell Unübersichtlichkeit herrscht. Übrigens wohnen Dawoom und Louis in Gangnam-gu, wie ich nach Bekanntwerden von Psy 2012 nochmal erfahren habe. Jedenfalls konnte der Taxifahrer mich dann endlich zum Hostel bringen und wollte dafür fairerweise auch nur einen Minibetrag haben. Ich war 5 Minuten zu Fuß gelaufen und habe über eine Stunde lang zurück zum Hostel gebraucht!
Am nächsten Morgen bin ich dann bei Tageslicht nochmal raus und habe mir dabei alles genau angeguckt und gemerkt. Ich bin zu einem örtlichen Convenience Store. “Annyeong Haseyoooo” begrüßten die Verkäufer einen freundlich lächelnd, wenn man den Shop betrat. Ich holte mir ein Frühstücks-Set, bestehend aus einer Dose Pepsi und zwei belegten Sandwiches. Das wurde zu meinem Standard Frühstück in Korea. Mit “Gamsa Hamnidaaaa” und einem schlichten, leichten Kopfnicken bedankte man sich für den Einkauf bei mir.

Gleich am Mittag hatte ich mich mit Dawoom an der Hongdik University Metrostation verabredet. Ich platzierte mich in der B-Ebene und versuchte sie aus den strömenden Menschen zu erhaschen. Aber wie? Die Menschen sahen für mich fast alle gleich aus, jede 2. junge Dame hätte für mich Dawoom sein können! Aber andersrum klappte es dann, ich wiederum fiel ja stechend aus der Masse heraus. Sie kam auf mich zu. Es war schön sie wieder zu sehen, vor allem weil sie sich in Seoul auskennt, die Sprache beherrscht und mir alles zeigen kann.

Am nächsten Tag bin ich dann zum lokalen Busbahnhof in Nadi und wollte von dort nach Suva, der Hauptstadt von Fiji, fahren. Ohman, das muss man echt erlebt haben. Am Busbahnhof herrscht Chaos. Überall nur schwarze Fijianer, billige, heruntergekommene Busse ohne Fensterscheiben, mit offenen Seiten. Keine Fahrpläne, keine richtigen Schilder. Ich lauf da als einziger mit ‘nem riesen Backpacker Rucksack rum und falle dadurch natürlich auf. Deshalb sprach mich auch gleich mal ein Typ an, der um mich warb. Er sagte er bietet tägliche Transfers in seinem privaten PKW an und nimmt ein paar Leute mit, unter denen die Kosten dann aufgeteilt werden. Er hätte noch einen Platz frei und ich könnte günstig mitfahren. Ich lehnte aber ab, der Preis war nicht viel günstiger als der öffentliche Bus und ich war mir zu unsicher was für ein Typ das war. Ich fragte mich also ein bisschen durch und wusste dann, in welchen Bus ich einsteigen musste. Da ich aber noch Zeit hatte, bin ich erst nochmal in einen Laden rein und holte mir was zu Trinken. Immerhin stand mir eine etwa vierstündige Busfahrt in einem klapprigen, alten Bus bevor.

Was soll ich sagen? Ich war tatsächlich der einzige Hellhäutige im ganzen Bus. Das war aber nicht schlimm, ist mir nur direkt aufgefallen. Ich machte es mir mit ein bisschen Musik auf den Ohren gemütlich und genießte die kühle Brise, die der Fahrtwind erzeugte, da es keinerlei Fenster gab. Wir fuhren die Queens Road zunächst etwa 40km lang steil südlich runter und dann nochmal eine etwa 150km lange Strecke direkt an der Küste nach Osten. Es war ziemlich interessant, denn ich sah das richtig altertümliche Leben der Fijianer, die nicht in den Städten leben. Rechts war die Küste, links der Straße war wilder Busch, in dem die Menschen in einfachen Hütten leben. Manchmal sah ich freilaufende Kühe am Straßenrand oder auch Frauen beim Wäschewaschen nach traditioneller Art. Die Hütten…mitten im Busch, ohne Stromversorgung, schwer vorstellbar, dass die Menschen hier wirklich so leben.

Irgendwann hielten wir dann an. Wir befanden uns an irgendeinem Busbahnhof. Draußen wimmelte es von ganz vielen Schülern in Schuluniform, es war heiß und laut. Ich wollte mir auch mal die Beine vertreten und auf Toilette, da warnte mich ein Fijianer hinter mir. Ich soll auf jeden Fall meinen Rucksack mitnehmen, wies er mich an. Ansonsten sei er weg, wenn ich wiederkomme. Ich dankte ihm für den gutgemeinten Tipp und bin aus dem Bus raus. Als ich von der Toilette wiederkam, sprach mich ein Taxifahrer aus dem Auto heraus an und fragte, woher ich bin, wohin es geht usw. Er war ganz nett und wollte mir auch nichts aufschwatzen. Dann sind wir alle wieder in den Bus rein und fuhren weiter.

In Suva endlich angekommen, fand ich mich zunächst wieder auf einem alten, verstaubten Marktplatz, der zugleich als Busbahnhof diente, wieder. Ein wildes Umher mit Marktständen, Fischverkäufern und anderen Leuten. Ich hatte mir wie immer schon vorher eine Unterkunft gebucht, und musste diese nun erst einmal suchen. Viele Hostels/Hotels gab es gar nicht, hostelworld.com listet für Suva gerade einmal 4 Stück. Das “Private South Sea Hotel” hatte ich mir ausgesucht. Auf dem Weg durch die Innenstadt viel mir sofort auf, dass hier deutlich mehr Infrastruktur vorzufinden ist. Es gibt Ampeln, ordentliche Straßen, richtige Geschäfte wie zum Beispiel einen sauberen und seriösen Vodafone Store, in dem ich später übrigens auch mal fragte, wieso eigentlich meine Vodafone Sim-Karte aus Australien nicht funktionierte. Ich hätte dies nämlich erwartet, denn so unter Nachbarn…?! (Australien/Fiji) könnte man das ja schon denken. Aber leider konnte mir keiner helfen und ich konnte nichts machen. Natürlich war auch Suva jetzt keine komplett andere Welt, aber es war schon ein deutlicher Unterschied zu Nadi zu verzeichnen.

Ich konnte anzugtragende Geschäftsleute in ihrer Mittagspause beobachten, es gab eine deutlich größere Innenstadt mit öffentlichen Bussen. Auch ein halbwegs modernes Einkaufszentrum und einen 24 Stunden lang geöffneten McDonalds konnte ich entdecken. Es war schon viel vertrauter hier. Übrigens trinkt man auf Fiji tatsächlich fast ausnahmslos das inzwischen weltweit berühmt gewordene “Fiji Water”, das direkt auf Viti Levu entsteht und auch in Deutschland bestimmt auch auf Grund des Preises eher ein “Lifestyle Produkt” ist. (0,5l Flasche / ca. 2 EUR). Auf Fiji kostet das Wasser dagegen nur ein paar Cent.

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Zum Hotel ging es vereinfacht ausgedrückt eine große Hauptstraße entlang gerade aus und irgendwann links rein. Dort ging es dann neben einem Rugby Feld (“Rugby Union” ist der Nationalsport auf Fiji) eine etwas steilere Straße bergauf und dann wieder links rein. Dann war ich schon da. Ich checkte ganz normal ein und ging auf mein 6-Bett Zimmer. Es war niemand sonst in diesem Zimmer eingebucht. Aber das hatte ich eh schon bemerkt:. Ich finde es relativ schade, dass sich nur wenige Touristen die Mühe machen und die Busfahrt in Kauf nehmen, um auch mal die Hauptstadt zu erleben. Die meisten kommen aus Australien oder Neuseeland in Nadi an und fahren von dort raus auf die Inseln.

Dann kehren sie nach Nadi zurück und fliegen wieder weg. Vom Landesinneren sehen sie dann nichts. Deswegen ließ ich es mir nicht nehmen, einen kurzen Abstecher nach Suva zu machen. Naja, viel Tourismus gibt es halt nicht und so bin ich dann halt einfach Innenstadt erkunden gegangen, war in Geschäften stöbern. Ich besorgte mir ein paar Postkarten, schrieb ein paar Grüße an Familie, meine alte Zivildienststelle und Co. und ging dann in eine fijianische Postfiliale, um die Karten entsprechend zu frankieren und wegzuschicken. Ich fragte nach, wie denn der Weg der Karten seien würde und es schien so, als wenn die Karten im gleichen Flieger wie ich, zunächst nach Seoul, Korea gehen würden.

Als es dann Abend war, wollte ich noch in ein Internetcafé und als ich kurzerhand zwei Polizisten laufen sah, fragte ich sie einfach, ob sie mir einen Tipp geben könnten. Die Dame war sehr freundlich und wusste tatsächlich, wo ein Internetcafé war. Da sie auf Streife waren und durch die Gassen liefen, wollten sie mich sogar gleich dorthin führen und mich begleiten. So kamen wir ein bisschen ins Gespräch und der übliche Small-Talk fand statt. Ich erzählte, wer ich so bin, woher ich komme und was ich erlebt habe. Die Polizistin überraschte mich, als sie mir erzählte, dass ihr Mann derzeit in “Päde-boan” lebe, sie dort alle paar Tage hin telefoniere und in einem halben Jahr sogar selbst nach Deutschland fahre. Ich verstand zunächst nicht genau, aber dann war mir doch schnell klar, dass sie Paderborn in Nordrhein-Westfalen meinte.

Sie war ein wenig schüchtern, eigentlich unpassend für eine Polizistin, aber vielleicht auch nur etwas unsicher einem “reichen” Europäer gegenüber?! Sie war wirklich sehr nett und ich fragte sie, ob es denn eigentlich wahr sei, dass es gegen Abend gefährlicher werden würde und man sich vor Raubüberfällen in Acht nehmen muss. Das hatte ich nämlich des Öfteren gehört und gelesen. “Ja”, sagte sie, “das käme öfter vor und man muss nach Einbruch der Dunkelheit auf jeden Fall vorsichtig sein”. Naja, begleitet von zwei Polizisten würde mir zumindest jetzt wohl nichts passieren, witzelte ich ein bisschen. Das Internetcafé war vollkommen in Ordnung und professioneller als in Nadi. Mit Meiner Freundin skypen war auf Grund der stolzen 12 Stunden Zeitunterschied leider nicht möglich. Danach bin ich dann ins Hotel zurück.

Dummerweise hatte ich leichten Hunger, als ich ins Bett wollte. Egal, ich versuchte zu schlafen. Es war ziemlich heiß im Zimmer, der Deckenventilator half mir in meinem Eckbett nichts. Da ich das Zimmer aber eh für mich allein hatte, nahm ich meine Matratze aus dem Bett heraus und legte sie mitten ins Zimmer, sodass ich direkt unter dem Ventilator lag. Das war schon angenehmer und ich döste nach anfänglichen Schwierigkeiten dann doch wieder ein. Ich hasse es nämlich eigentlich mit Hunger schlafen zu gehen. Aber ich hatte keinerlei Snacks oder Süßkram bei mir. So gegen 1.15 Uhr in der Nacht wachte ich plötzlich auf. Ich hatte nicht tief geschlafen und gerade geträumt. Geträumt, und das ist jetzt wirklich kein Spaß, von einer schönen, saftigen Pizza Hut Pizza aus Australien. Als ich das realisierte, dauerte es nur wenige Sekunden, bis ich aufsprang und mir selbst sagte “Jetzt reicht’s!”. Ich zog mir Hose und Shirt an und griff nach ein paar Dollar.

“Wenn ich jetzt sogar schon von Essen träume, ist mir das echt zu blöd!”, dachte ich. Ich mein, ich hab keinerlei Verpflichtungen, bin im Urlaub, hab ein eigenes Zimmer, wen stört es also, wenn ich nachts einfach mal spontan zu McDonald’s fahre, um mich vollzustopfen? Eigentlich niemanden. Ich lief runter zur Rezeption. Mist, der Eingang ist durch eine verschlossene Gittertür verriegelt. Was jetzt? Mein Kopf wanderte leicht nach rechts, zu einem altbackenen Sessel, in dem der tiefschlafende, sehr laut schnarchende einarmige Nachtwächter wirklich sehr professionell seines Amtes waltete. Mit einem leichten “Excuse me!” weckte ich ihn sanft und bat ihn, mir die Tür zu öffnen. Der Typ war echt schräg. Draußen ging es dann in vollkommender Dunkelheit die Straße neben dem Rugby Feld hinunter. Plötzlich aber bellten mich irgendwelche Hunde an. Ich bekam leichte Panik! Ich sah nirgends Hunde und in der Stille der Nacht, bei Dunkelheit wirken solche bellenden Hunde wirklich beängstigend. Vor allem sah ich das Horrorszenario vor mir: die Hunde kommen wild bellend von unten die Straße hoch gerannt ohne dass ich dabei irgendeine Chance habe. Ich tastete mich unglaublich langsam die Straße hinunter, blieb mehrmals stehen, um das Bellen genau zu lokalisieren.

So bin ich dann nach und nach die Straße runter, hatte ganz schön Herzrasen dabei. Unten dann kreuzte ich die Hauptstraße, die dann auch endlich wieder beleuchtet war. Hier war eine Taxizentrale, an der einfach ein paar Taxifahrer aus der Nachtschicht mit Hunden spielten. Mehr war es gar nicht. Und ich hab mir fast in die Hosen gemacht hey…! Dann gings weiter geradeaus zu McDonald’s. Immer ein unwohles Gefühl im Nacken, immer am Umschauen nach irgendwelchen potentiellen Angreifern. Meine Gedanken waren bei den Worten der Polizistin. Als ich die Tür vom McDonald’s öffnete und den Laden betrat war das wie eine “sichere Basis” für mich, hier drin konnte mir nichts passieren. Ich war nicht der einzige Gast, es waren noch ein paar andere Leute da. Ich bestellte mir Burger, Pommes und Cola und ließ es mir gegen 2 Uhr erstmal fett schmecken.

Yummie, Yummie! Gegen viertel nach zwei etwa war ich fertig, bestellte mir noch einen Milchshake und noch ‘ne kleine Pommes zum Mitnehmen und verließ das Restaurant wieder. Den Scheiß mit der Aufregung wollt ich mir aber nicht nochmal geben und setzte mich deshalb in ein Taxi. Ich mein, der Weg war zwar nicht lang, aber das Taxifahren war hier so günstig, von daher war’s mir egal. Es gab keinen Startpreis für die Fahrt so wie bei uns in Deutschland. Die Fahrt kostete so wenig Cent, sodass ich einfach das Doppelte gegeben habe und das Taxi damit immernoch total günstig war. Ich glaub es waren vielleicht 50 Cent, ich hab 1 Dollar oder so gegeben. Im Hotel schloss mir dann der alte Wachmann wieder auf und ich ging auf mein Zimmer. Gut gefüllt konnte ich gegen viertel vor drei nun endlich in Ruhe schlafen. :)

Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Nadi. Vorher aber war ich noch in der Innenstadt unterwegs, da ich mir die Haare schneiden lassen wollte. Mein letzter Haarschnitt war nun schon bestimmt wieder 2-3 Monate her. Als ich auf dem Weg war, sprach mich ein recht alter Herr an. Er wollte mir unbedingt die Berge zeigen und bat mich ein Stück mit ihm zu laufen. Währenddessen erzählte er mir ein paar geschichtliche Anekdoten. Dann waren wir an zwei, drei Parkbänken angekommen, von denen man einen Blick auf ein Gebirge in der Ferne hatte. Er nannte mir den jeweiligen Namen jedes einzelnen Berges und fing mit seiner Lebensgeschichte an. Irgendwann sagte er mir, er wolle mir etwas schenken und zückte zwei etwa 30 cm lange bearbeitete Holzstäbe aus seiner Tasche. Er fragte mich nach meinem Namen und schnitzte ihn kurzerhand vor meinen Augen in das Holz. Die Holzstöckchen sind unten rund und oben leicht spitz zugeschnitten. Sie haben eine dunkelbraune Rinde und es sind Ornamente, die Worte “Bula” und “Fiji 2011” eingeschnitzt. Er sagte es sei traditioneller Schmuck für das Zuhause. Man nimmt zwei der Holzstöcke und hängt diese leicht gekreuzt über sein Bett. In der Mitte hängt man dann noch eine Maske dazu.

Das soll einen, besonders während der Nacht, bewachen und beschützen. Er sagte ich solle die Stöcke nehmen und behalten. Ich fragte ihn, ob er mir die wirklich schenken möchte und er sagte ja, aber eine kleine Spende wäre schon nett. Ich wollte ihm ein paar Dollar geben, aber dann weigerte er sich plötzlich etwas, aber letztlich kamen wir doch ins Geschäft. War irgendwie klar, dass er das nicht alles “einfach so” machte, hehe. Später trennten wir uns dann und ich ging weiter. Ein paar Minuten später, in der Innenstadt, sprach mich wieder so ein Typ an und zückte zwei ähnliche solche Stöcke. Ich wusste Bescheid und gab ihm zu erkennen, dass ich schon versorgt sei. Daraufhin bot er mir eine solche Maske an, aber die war mir zu teuer. Also bearbeitete er mich noch ein wenig, lies mich den Namen meiner Mutter buchstabieren und schnitzte sofort ein “Hanno” (Spitzname meiner Mutter) in das Holz. Ich akzeptierte es und nahm es als “Mitbringsel” aus Fiji für meine Mutter mit.

So, dann wollte ich aber endlich mal zu einem Friseur. Friseure gab es sehr, sehr viele hier. Auf den Straßen vermehrt entsprechende Schilder: “Haircut”. Haarschnitte wurden meistens “2 go” direkt auf der Straße angeboten. Man wurde angesprochen, ähnlich wie mit den Massagen auf Bali, und gefragt, ob man einen Haarschnitt für wenig Geld will. Ich beobachtete verschiedene Angebote, ging auch mal in einen “seriösen” Salon, aber der hatte mir zu europäische Preise. Ich bin dann einem Schild gefolgt und in ein Haus rein. Die Treppe hoch ging es in eine ziemlich alte Unterkunft. So eine Mischung als Wohnung und Laden. Ich rief nach jemanden und es kam ein Mann hervor. Ich bekundete mein Interesse nach einem Haarschnitt und fragte nach dem Preis. Der Preis war in Ordnung, sodass ich zunächst einwilligte. Daraufhin sollte ich dem Sohn des Mannes folgen. Ich betrat einen anderen, ziemlich leeren Raum. Jemand anderes saß gerade auf dem Stuhl (ein klappriger Holzstuhl) und der Sohn war gerade am Arbeiten. Es gab nicht mal einen Spiegel vor dem Stuhl. Ich sollte noch etwas warten. Nach ein paar Minuten wurde es mir aber schon zu viel…Als ich den Sohn mit dem Haartrimmer rumfuchteln sah, entschied ich mich, lieber woanders hinzugehen. Alles hier wirkte unprofessionell, marode und alt.

Ich hätte wetten können, der Sohn hat sich sein amateurhaftes Friseurhandwerk selber beigebracht und das Geld in diesem Mafialaden wird schwarz verdient. Als sie alle mal irgendwie vorne waren und ich alleine war, nutzte ich die Gelegenheit und verschwand unbemerkt wieder. Daraufhin bin ich zurück zu so einer Markthalle unweit vom Busbahnhof. Dort wurde ich vorher bereits von herumsitzenden und auf Kundschaft wartenden Männern auf eine neue Frisur angesprochen, lehnte aber ab. Ich ging aber nicht zu diesen Männern, sondern zum kleinen Lädchen direkt gegenüber, wo überwiegend ein paar Frauen arbeiteten. Auch dieser Laden war nicht der beste…ein paar Quadratmeter neben einem Gemüsehändler…aber zumindest hatten sie normale Friseurhocker mit einem Spiegel usw. Ich ging rein und durfte Platz nehmen.

Eine sehr nette Dame stellte sich mir vor und fing an, meine Haare (mit der Schere!) zu kürzen. Den hiesigen Smalltalk beim Friseur kann ich ja eigentlich nicht so leiden, aber da war das was ganz anderes. Sie erzählte mir von ihrer Familie und ihrem bisherigen Leben. Ihre Tochter hatte geheiratet und deren Mann und sie führen ein recht konservatives, indisches Leben. Oder der Mann ihrer Tochter wollte das zumindest so, womit die Mutter nicht so ganz klar kam, da sie ihre Kinder bewusst nach modernen Prinzipien erzogen hatte. Sie erzählte von einem Besuch in der Wohnung ihrer Tochter. Sie war recht angetan von mir, glaube ich. Haare in dieser Farbe hatte sie bis zu diesem Tag noch nie zuvor geschnitten. Kein Wunder, nahezu 99% aller Fijianer sind schwarzhaarig.

Zum Schluss zahlte ich umgerechnet etwa 0,80 EUR (!!) und verabschiedete mich bei ihr. Am Mittag bin ich dann mit dem Bus zurück nach Nadi und noch einmal in das gleiche Hostel wie zuvor. Diesmal kam ich in ein anderes Zimmer mit 8 Betten. Es waren mehrere Leute im Zimmer, engeren Kontakt hatte ich zu einer anderen Deutschen und einer Japanerin. Wobei…es war noch ein Italiener dort, der ein richtiger Weltenbummler war und sich gerade auf einer Weltreise befand. Also jetzt nicht Work and Travel sondern eine richtige einjährige Weltumrundung. Wir erzählten uns gegenseitig von unseren bisherigen Reisen und Erlebnissen.
Am nächsten Tag war dann meine Woche auf Fiji auch schon wieder rum und ich ließ mich vom Hotelshuttle wieder zum Flughafen bringen. Dort folgte dann wieder die normale Routine und es ging zur nächsten Etappe in Richtung Heimat.

Am besagten Tag sollte ich dann bei mir im Hostel abgeholt werden. “Sollte”, weil zunächst niemand kam und ich schon leichte Panik bekam, mein Boot zur Insel zu verpassen. Aber die Angestellten im Hostel riefen irgendwelche Leute an und klärten es ab. Später kam dann irgendwer in irgendeinem Auto (es war kein offizielles Taxi) und ich stieg ein. Ich hatte keine direkte Ahnung, wohin es ging, ich wusste nur, dass wir zu irgendeinem Hafen fahren würden. Als wir dort ankamen, hielten wir an einem Strand. Ein wirklicher “Hafen” war es nicht. Mein Taxifahrer brachte mich zu einem anderen Typen, der am Wasser stand und an einem Motorboot rumfuchtelte. Sie sprachen irgendwas…Er kam zu mir…”Bulaa!” Dann sollte ich mein Ticket vorzeigen und abgeben. Er sagte ich solle mich zu den beiden anderen Mädchen am Rand setzen und noch einen Moment warten. Es saßen dort zwei andere deutsche Mädels, mit denen ich ins Gespräch kam.

Sie kamen von Ihrem Work & Travel aus Neuseeland und waren auch auf einem Stopover Aufenthalt auf den Fiji Inseln. Die eine von den beiden war sogar etwas enttäuscht und erzählte, dass sie auch für ein paar Wochen in Australien gewesen sei und sich inzwischen wünscht, sie hätte ihr Work & Travel doch lieber in Australien gemacht, da es einfach größer und dadurch doch reizvoller sei. Wir saßen also zu dritt auf dem Boden und warteten, bis wir aufs Boot durften. Der Typ wollte mein Ticket behalten, aber ich bat unbedingt darum, mir ein neues für die Rückfahrt auszustellen, damit ich was ich den Händen hab. Es war alles so einfach organisiert, keine Technik, immer Handeln und absprechen, das war mir zu riskant. Nachher sagen sie, ich hätte für die Rückfahrt noch kein Ticket gekauft oder so.

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Er sagte zwar, sie würden mich definitiv in 3 Tagen wieder abholen, aber ich ging auf “Nummer Sicher”. Also schrieb er mir schnell einen “Wisch” und gab mir den dann. Als das Boot bereit war, stiegen wir ein und sausten los. Es war richtig geil mit so einem richtig schnellen Motorboot über den Ozean zu heizen. Man verstand zwar kaum noch ein Wort, wegen des Motors, aber cool war es trotzdem. So zwischen 80-100 km/h waren es sicherlich! Wir fuhren zunächst eine andere Insel an und holten dort ein paar Leute ab, die auf eine andere Insel fahren wollten. Dann fuhren wir weiter zu wiederrum einer anderen Insel, wo die beiden Mädels ausstiegen. Erst dann ging es zu Malolo Island, wo ich und noch ein Typ dann ausgestiegen sind. Dort wurden wir von einem Typ abgeholt, der uns und unser Gepäck auf einem Traktor mit Anhänger am Ufer entlang vom Anlegesteg zur Hostelanlage mitnahm. Die Insel, oder zumindest die Seite, an der wir uns befanden bestand eigentlich nur aus unserer Hostelanlage.

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Später werde ich von einem einheimischen Fijianer erfahren, dass auf der anderen Inselseite noch mehr los ist, aber auf dieser Inselseite gab es nichts, außer unserem Hostel. Von unten ging es recht steil hoch, die Insel war sehr sehr hügelig. Ganz unten war der Strand, eine Hängematte, ein paar Bungalows, ein Volleyballfeld usw., etwas höher dann ein Pool mit Liegen und ein paar kleine Wege, die zu Bungalows führten. Noch etwas höher befand sich dann ein kleines Häuschen, komplett aus Holz. Das war unser “Hostelzimmer”. Es war sehr luftig, da die Türen immer offen standen bzw. um ehrlich zu sein gab es nicht mal welche, glaube ich. Es gab hier etwa 10-12 Bette, zwei Klo’s und zwei Duschen. Deckenventilatoren waren vorhanden. Das Haus hatte zwei Ein- und Ausgänge. Einer ging hinunter in Richtung Ufer, der andere entgegengesetzt hinauf in Richtung Rezeption/Lobby/Bar/Mittelpunkt der Anlage.

Man musste von unserem Haus noch einen kurzen Weg laufen und dann ging es wieder eine ziemlich steile Steintreppe hinauf. Dann befand man sich im Hauptbereich der Hostelanlage und damit auch ziemlich weit oben auf der Insel. Hier oben war alles mit feinem Strandsand ausgelegt, es gab Bänke und Tische, eine Bar und auch die Rezeption.  Von hier oben konnte man wunderbar auf den Ozean blicken und hatte eine tolle Übersicht in die Ferne und rundherum. Ich checkte zunächst einmal ein. Die Anlage war sehr ruhig, es waren kaum Gäste zugegen. Betrieben wurde das Hostel von einem britischen Ehepaar, die vor einigen Jahren aus Großbritannien hierher ausgewandert sind. Die Dame hatte recht weiße Haare und eine tiefe, kräftige Stimme. Sie erklärte uns was es hier gibt, wo was ist und wie der Ablauf im Hostel ist. Sie lud uns dann auch zu einer “Kava Zeremonie” ein, die ich ja inzwischen schon kannte.

Im Hostelpreis inbegriffen war ein Frühstück und gegen einen akzeptablen Aufpreis gab es ein richtiges, warmes Abendessen. Ich fühlte mich total wie in einem Sommerurlaub mit All-Inclusive: Wir gingen morgens zum Frühstück und durften zwischen verschiedenen Mahlzeiten für das Abendessen wählen. Abends trafen wir uns dann alle oben und bekamen frisch gemachtes Essen mit Nachtisch und allem drum und dran serviert. Die junge hübsche Dame an der Bar war eine einheimische Fijianerin, natürlich mit der auf Fiji üblichen Hibiskus Blüte im Haar (auch Männer tragen die). Ihren Namen habe ich leider vergessen, aber sie war sehr sehr freundlich und fragte jedes Mal, wenn wir uns sahen, wie es mir geht und was ich so gemacht habe. Man spürte diese Gelassenheit in ihr. Ich stellte mir ihren Alltag hier oben vor.

Nach dem Frühstück muss es zunächst recht langweilig sein, denn viele Gäste, die hier tagsüber Drinks zu sich nehmen und bewirtet werden wollen, schien es nicht zu geben. Die Betten und Bungalows wurden von anderen, eher jugendlichen Fijis gesäubert. Ich fragte mich, was sie also den ganzen lieben langen Tag so macht… Der Hausherr, so hatte ich mitbekommen, fuhr jeden Morgen erstmal mit seinem Hund zusammen im Boot nach Viti Levu und besorgte sich eine aktuelle Tageszeitung, die er anschließend bei einem genüsslichen Kaffee und viel Ruhe durchlas. Ja und ich, ich wusste zunächst auch nicht so recht, was ich nach dem Frühstück anstellen soll. Der Strand war leider bei weitem nicht so schön wie an den Nachbarinseln, das Wasser hatte keinen starken Wellengang, war kaum tief und war dadurch ziemlich warm, fast schon aufgeheizt. Es gab unten am Ufer kleine Boote, von denen ich mir eins nahm und etwas raus paddelte, um die Natur und Tiere ein bisschen zu erforschen. Das Wasser war glasklar. Ansonsten lag ich ziemlich viel in der Hängematte am Strand, hörte Musik und machte mir viele Gedanken zu meiner Rückkehr nach Deutschland und meine weitere Zukunft.

Wie wird das Gefühl sein, wieder in seine Heimat zurückzukehren, wenn alles so vertraut ist? So schön meine ganzen Abenteuer waren und so gerne ich das alles hier jederzeit sofort wieder machen würde, ich freute mich trotzdem total auf Deutschland. Zumindest auf die erste Zeit wieder daheim. Vom Hostel wurden auch ein paar Aktivitäten wie z.B. ein Volleyball Turnier zwischen den Gästen gegen die Angestellten angeboten, aber zumindest das erste, das geplant war, wurde wohl mangels interessierter Gäste abgesagt. Es herrschte hier wirklich gähnende Leere und so langsam wurde mir bewusst, warum mich der Typ aus dem Hostel in Nadi auf eine andere Insel schicken wollte. Wobei ich persönlich es jetzt nicht unbedingt komplett schlecht fand. Klar, es war total ruhig und der Tag zog sich ziemlich, aber ich finde, das gehört irgendwie dazu. Wenn man an Fiji denkt, denkt man doch an tramhafte Strände, unendliche Ruhe, eine Hängematte und „den ganzen Tag lang Gammeln“.

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Und genau so war es hier tatsächlich auch. Gut, der traumhafte weisse Sandstrand mit schöner Brandung, tiefem Ozean, in dem man tauchen kann und tolle Palmen fehlten im Resort leider, das war das Doofe. Hierfür hätte ich zum Beispiel nach Beachcomber Island fahren müssen, wo ich mit dem Taxi kurz gewesen bin.  Dort sah es wirklich richtig traumhaft aus und es war einiges mehr los. Die Gäste dort werden von fijianischen Musikern begrüßt, die mit den Gästen musizieren, diesen die Traditionen zeigen und viel Spaß miteinander haben. Hier war deutlich mehr “Leben” auf der Insel zu spüren, als auf Malolo Island. Ich finde, beides hat was für sich. Gegen Abend trafen wir paar wenigen auf Malolo uns dann wie bereits erwähnt oben in der Lobby zum Essen und Kartenspielen. Die anderen kamen aus England, Kanada und Frankreich. Sie bemängelten die langweilige Stimmung und waren froh, dass sie nun  auf eine andere Insel weiterziehen konnten.

 

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Am letzten Tag auf der Insel hatte ich einfach mal Lust ein bisschen rumzulaufen. Deshalb bin ich an der Lobby vorbei und die Grashügel noch weiter hoch gelaufen, um zu schauen, was es ganz oben so gibt und ob man vielleicht von oben auf die andere Seite der Insel schauen kann.  Auf der Spitze von Malolo Island angekommen, hatte ich einen richtig geilen Ausblick. Von hier sah man auch ein schickes Haus, das wohl der Privatwohnsitz der Hostelbetreiber war. Die Insel war aber doch viel weiträumiger, als ich vorher dachte. ich hatte mir vorgestellt, ich laufe einfach bis zum Höhepunkt der Insel und kann dann auf die andere Seite runterlaufen, aber dem war natürlich nicht so. Ich lief ein bisschen, drehte dann aber doch wieder um, da es keinen Sinn hatte. Mal kurz so eben auf die andere Seite “runterhoppen” ging nicht. Ich machte ein paar Fotos von da oben aus und genoss die Aussicht. Anschließend wollte ich an der Rezeption kurz ins Internet, um meine E-Mails und Facebook zu prüfen. Hier wurde allen Ernstes nach jeder einzelnen Sekunde (!) abgerechnet. Ich lies mich darauf ein, wollte ja nur kurz das Wichtigste machen. Als gmx.de aber nach sage und schreibe 120 Sekunden noch immer nicht vollständig geladen war, gab ich auf. Schade eigentlich, denn auf einigen Nachbar Inseln gab es offenbar deutlich schnelleres Internet und zwar kostenfrei. Das hat mir einer aus meinem Zimmer erzählt.

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Dann war meine Zeit auf Malolo auch schon wieder rum und ich packte meine Sachen zusammen. Zum Schluss ging ich nochmal hoch zur Bar, um mich bei der netten jungen Lady noch kurz zu bedanken und zu verabschieden. Ich bin dann mit meinem Backpacker Rucksack vor zum Bootsanlegesteg gelaufen und musste noch etwas warten. Gerade kamen zwei Fijianer von ihrem Fischfang zurück und ich kam kurz mit ihnen ins Gespräch. Sie fragten mich, wie Fiji mir gefällt und so. Dabei erzählten Sie mir dann, dass das Funky Fish Resort (meine Hostelanlage) nicht die Einzige auf Malolo sei und auf der anderen Inselseite noch mehr los ist und sie dort wohnen würden. Ich war überrascht, denn wenn man im Funky Fish residiert, hat man das Gefühl, die Insel sei total verlassen. Naja, dann kam irgendwann wieder der Yasawa Flyer (das Motorboot-Taxi) und nahm uns mit.

Wir klapperten ein paar andere Inseln ab und ließen dort Leute raus, nahmen welche mit auf. Dabei konnte ich wirklich noch viele andere Inseln sehen und war schon ein bisschen neidisch, als ich die tollen Strände mit dem tiefblauen Wasser sah. Hier war einfach Urlaubsfeeling mit Schnorcheln, Strandbar und Co. in vollem Gange. Naja, ich konnte es nicht ändern, meine Zeit auf Malolo war trotzdem definitiv nicht vergeudet. Wir sind dann wieder Richtung Viti Levu gecruised, auf dem Boot waren einige Leute, die sich vom Hin- und Herhoppen von der einen auf die andere Insel schon kannten. Am “Hafen” angekommen, mussten wir noch ‘nen kleines Stück durchs Wasser laufen, da das Boot nicht bis ganz vorne ans Ufer fuhr. Jetzt hieß es “Aufpassen und nicht mit dem Gepäck hinfallen, sonst hast du ein Problem”. Es warteten schon ein paar Taxifahrer auf uns, die gutes Geschäft witterten. Wir teilten uns also auf die Autos auf und fuhren dann zu den jeweiligen Unterkünften.

Ich war der letzte Gast im Taxi und irgendwie war mir der Taxifahrer auch nicht ganz geheuer. Ich merkte, wie er das Taxameter gekonnt durch seine abgelegte Mütze verdecken wollte und sprach ihn daraufhin an. Er solle bitte per Taxameter abrechnen, bat ich ihn freundlich. Die Jungs dort versuchen echt alles…Es handelte sich um einen Mittfünfziger, indischer Herkunft. Wir sprachen ein wenig über Leben auf Fiji und in Europa, er erzählte mir stolz von seiner Tochter und das er sie demnächst verheiraten wird. Selbstverständlich nur an einen sehr gebildeten Mann, einen Arzt zum Beispiel. Ich entgegnete ihm, ob er das für richtig halte, seiner Tochter einfach einen fremden Kerl vor die Nase zu setzen und über Ihren Kopf hinweg eine Hochzeit zu erzwingen, obwohl sie diesen Mann vielleicht gar nicht liebt. Er erklärte mir, dass sie natürlich auch wählen und die Männer ablehnen darf, aber es muss auf jeden Fall einer aus Papas Auswahl sein. Ich dachte nur “…die arme Tochter”.

Aber gut, andere Länder, andere Sitten! Zum Glück waren wir dann in der Queens Road in Nadi angekommen, sonst hätte ich mich wohl nur noch mehr über sein sturres Steinzeitdenken aufgeregt. Ich bin dann nochmal für eine weitere Nacht ins Hostel.

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Jaaa und dann war er da, der 25. Februar 2011. Der Tag, an dem ich Australien endgültig wieder verließ. Ich fuhr alleine Richtung Flughafen, begab mich zum International Airport und checkte ein. An der Passkontrolle bekam ich den Leaving Stempel der australischen Behörde und ging zum Gate durch. Nun ging es also nach Nadi, Fiji. Auch für dort hatte ich mir vorab schon ein Hostel gebucht. Was heißt “ein Hostel”…Es gab eigentlich auch nur eins. Ich Andyg mir Air Pacific, etwa 4 Stunden in den noch ferneren Osten. Neben mir saß eine echte Fijianerin. Sehr kurz geschorene, gelockte schwarze Haare hatte sie. Das ist typisch für Einwohner auf Fiji. Sie war zunächst sehr zurückhaltend, erzählte mir dann aber von ihrer Flugangst. Wir kamen irgendwie ins Gespräch und bestellten uns dann ein Glas Wein. Das hatte ich bisher nie gemacht, aber sie meinte, sie mache das immer, wenn sie fliegt. Ich erzählte ihr von meine Reise und das ich jetzt auf meinem Rückweg nach Deutschland auch einen Stopover auf Fiji mache. Sie erzählte mir von ihr und später hörte jeder für sich noch ein wenig Musik.

Queens-Road in Nadi, Fiji

Queens-Road in Nadi, Fiji

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Als wir in Nadi landeten, wurden wir “Neuankömmlinge” gleich im ersten Gebäude von einer traditionellen Musikkapelle und dem typischem “Bula!” (was so viel wie “Hallo, Willkommen!” heißt) begrüßt. Von dort reihten sich die Schlangen bis zu den entsprechenden Passkontrollen. Hier verlor ich dann meine Bekanntschaft aus dem Flieger, da sie einen fijianischen Pass besaß und woanders durchmusste. Sie war aber eine angenehme Reisepartnerin und ich fands cool, gleich im Flugzeug mit einer Einheimischen sprechen zu können. Unproblematisch erhielt ich einen Einreisestempel und durfte passieren. Ich holte meinen Backpacker Rucksack und begab mich zum Ausgang des Passagierbereichs. Mein 1. Stopvover – ich freute mich! Die 1. “Hürde” in Richtung Heimat. Hürde ist jetzt wirklich ziemlich negativ ausgedrückt, aber mir fällt gerade nichts Besseres ein. Wie oft kommt man in seinem Leben wohl auf die Fiji Inseln…? Es gab bei diesem ein-wöchigem Urlaubstrip nur einen Nachteil: Der Zeitunterschied zu Deutschland erhöhte sich noch einmal und betrug auf Fiji nun das Maximum von sage und schreibe 12 Stunden. Wenn es hier 12 Uhr Mittag ist, ist es in Deutschland Punkt 12 Uhr Mitternacht. Für den Kontakt zu Meiner Freundin in Deutschland war das natürlich quasi ein K.O. Aber es war ja “nur” eine Woche. In Korea würden es wieder gewohnte und “angenehme” 7 Stunden sein.

Die Zeit spielt auf Fiji aber schon eine wichtige Rolle: Bis zum 29. Dezember 2011 verlief die internationale Datumsgrenze direkt durch die zu Fiji zugehörige Insel Taveuni. Dort befand sich an entsprechender geographischer Stelle auch ein Hinweisschild. Stellte man sich nun bspw. an einem Samstag um 10 Uhr mit dem einen Fuß auf die linke Seite und mit dem anderen Fuß auf die rechte Seite, stand man mit dem linken Körperteil in Richtung Westen und befand sich im Samstag um 10 Uhr. Mit dem rechten Körperteil jedoch befand man sich sozusagen im Osten und dort war es nun noch Freitag 22 Uhr. Links also ist Heute und ein paar cm weiter rechts ist noch gestern. Man kann hier so gesehen also auch zweimal Silvester feiern:) Das alles war bis zum 29. Dezember 2011 so. An diesem Tag wurde die Datumsgrenze verschoben, sodass diese jetzt einen Knick nach rechts macht und auch die Insel Samoa zur westlichen Zeitzone wie auch Fiji, Australien und Neuseeland, zugehört.

Der 30. Dezember musste in diesem Jahr dafür ausfallen, man sprang vom 29.12 direkt auf den 31.12. 775 Einwohner aus Samoa hatten daher quasi keinen Geburtstag. Samoa hat sich zum Wechsel der Seite entschlossen, damit die Handelsgeschäfte (z.B. mit den Hauptgütern Kokosnuss und Fisch) mit den wichtigen westlichen Nachbarn in Südostasien, Australien und Neuseeland einfacher werden. Bisher hatte man dort durch den immensen Zeitunterschied nämlich  immer nur drei gemeinsame Werktage. Der Wechsel wurde stark kritisiert. Samoa war bis 1892 bereits auf der westlichen Seite, ist dann aber in den Osten “gesprungen”, um den USA zeitlich näher zu sein. Mit den USA geht inzwischen businessmäßig nichts mehr, deshalb entschied der Premierminister Tuilaepa Sailele ziemlich einsam den erneuten Wechsel in den Westen.

Er ist bekannt dafür, vieles einfach alleine zu entscheiden: Am 08. September 2009 wurde der gesamte Straßenverkehr von rechts auf links umgestellt, damit Gebrauchtwagen aus Australien und Neuseeland (wo auch viele Auslands-Samoaner leben), die ja auch Linksverkehr haben, günstig nach Samoa kommen. Auch damals musste er viel Kritik auf sich nehmen, denn die ganze Umstellung erfolgte ziemlich ungeplant und somit hatten die ganzen Busse ihre Ein- und Ausgänge auf der falschen Seite. Man stieg quasi nicht am Bordstein ein- und aus, sondern mitten auf der Straße. Außerdem ging der erhoffte wirtschaftliche Erfolg der Importautos nicht wirklich voran und die Autos mit dem Steuer auf der linken Seite waren im Prinzip wertlos geworden. Und genau deswegen wird gezweifelt, ob auch diese radikale Aktion von Tuilaepa Sailele Samoa wirtschaftlich wirklich voran bringt. Jetzt bin ich aber ganz schön abgeschweift…

In der Vorhalle des Flughafens von Nadi warteten jedenfalls schon einige Abholer, vor allem Bedienstete von irgendwelchen Reiseagenturen. Sofort wurde ich von zwei Fijianerinnen angesprochen, ob ich Hilfe bei der Suche eines Hotels brauche usw. Ich dankte ab und ging weiter. Ja, es war vereinbart, dass mich jemand von meinem Hostel abholen kommt. Es waren einige Leute dort. Immer wieder bot man mir auch eine günstige Taxifahrt an. Dann fand ich meinen Fahrer, ein großer, recht langsamer Zeitgenosse. Sein Englisch war in Ordnung und er sagte mir, wir müssen noch auf ein paar andere Leute warten, die ankommen würden. Die Taxifahrer, Hotelchauffeure und diversen andere schienen sich alle irgendwie zu kennen. Dauernd riefen sie sich irgendwelche Worte in ihrer Sprache, Fiji Hindi, zu. Nach ein bisschen warten, sind wir dann doch schon mal alleine zum Auto. Dann erhielt er aber plötzlich einen Anruf und holte auch die anderen Leute noch. Es waren auch Deutsche.

Im Auto kamen wir kurz ins Gespräch und ich erfuhr, dass ein Mädel aus Malterdingen, in Baden-Württemberg kam. Ich musste schmunzeln, schon wieder eine, die nur 6km neben Meiner Freundin wohnte. Der Chauffeur fuhr uns also zum Hostel. Wobei man hier kein Hostel nach “australischer Art” erwarten durfte. “Einfaches Guesthouse” traf es wohl eher. Nadi ist mit 11.000 Einwohnern eine der größeren Städte auf Viti Levu, der Hauptinsel der gesamten Fiji-Gruppe. Das interessante tagtägliche Leben findet in Nadi hauptsächlich nur auf einer Hauptstraße, der Queens-Road, statt. Nadi war relativ heruntergekommen, alles wirkte sehr arm und stehengeblieben. Keine Ampeln, Straßen aus purem Schotter, überall irgendwie staubig usw. Das Klima war ähnlich wie im nördlichen Australien, ziemlich tropisch, etwas tropischer als in Cairns, aber nicht ganz so stark wie in Darwin.
Im Hostel angekommen mussten wir alle in zur Rezeption, die vom Chef besetzt war.

Ich war als erster dran und gab meine Daten durch. Nach Bezahlung brachte mich der Chauffeur zu meinem 4-Bett Zimmer. Ein 4-Bett Zimmer bestehend aus 3 Betten. Man ging davon aus, dass zwei Personen einfach im Doppelbett zusammen schlafen. Glücklicherweise hatte ich das Zimmer aber für mich allein, die anderen Leute, die mit mir gekommen waren, hatten offenbar andere Zimmer gebucht. Das Zimmer war auch eher einfach gehalten, aber dafür immerhin mit eigenem Badezimmer. Das Hostel wurde von einem Ehepaar betrieben, der Mann war der Chef. Er war manchmal ganz schön grimmig drauf. Es gab bspw. einen PC mit Internetzugang, für den man sich “Guthaben” bei ihm kaufen musste. Man zahlte einfach einen Betrag für bspw. 100 Min und erhielt eine Quittung. Die 100 Min wurden nicht irgendwie mitgeloggt, es ging mehr nach Vertrauen. Dass ich allerdings öfter an den PC ging, dafür aber immer nur kurz, gefiel dem Hausherr nicht. Er mahnte mich an, sagte ich hätte die Zeit doch schon längst verbraucht. Ich erklärte ihm, des ich lieber öfter aber dafür kurz online gehe, trotzdem war er irgendwie komisch drauf.

Auch als ich bei ihm Rechnungen für das Zimmer oder den späteren Trip zur Insel buchte, bei den Zahlungen hatte ich immer das Gefühl, er will mich abzocken. Es gab also nur diese eine Hauptstraße und wenn ich dort entlang gelaufen bin, sah ich den ganzen Tag die Fijianer auf der Straße rumlungern. Viele gafften mich an, weil ich “anders” aussehe, so hell eben. Viele schienen einfach nichts zu tun zu haben, sie standen einfach nur am Bürgersteig rum und redeten, verbrachten den ganzen Tag dort und glotzten mich an, als sei ich sonst wer. Alles wirkte hier so trist, und manchmal fühlte ich mich ziemlich unwohl, wenn ich an einer Gruppe zusammensitzender Fijianer vorbeilaufen musste. Das Leben hier erinnerte mich manchmal schon ein wenig an eine 2-3. Welt, wo es keine Technologie und keinen Fortschritt gibt. Computer sind hier tatsächlich auch eher selten. Es gab 2-3 Internetcafés, die dauerhaft voll besetzt waren. Ich war in allen mal drin.

Das Internet war, wie fast alles auf Fiji, nicht wirklich teuer. Direkt neben meinem Hostel war auch ein Internet-Café. Irgendwo im 2. Stock eines Wohnhauses war es ein kleiner Raum mit 5-10 Uralt Rechnern. Alles jugendliche Fijianer, die dort waren. Ich war der einzige Ausländer und verstand nichts von dem, was sie miteinander sprachen, aber das machte nichts. Der Typ, der es betrieb konnte englisch und war sehr freundlich zu mir. Dann bin ich die Straße in die andere Richtung gelaufen und hab mir die paar Souvenirshops, die es hier gab, angesehen. An einem Shop wurde ich von einem etwas älterem, kräftigerem Typ angesprochen: “Bulaaa!!”, “What’s your name?”, “Toby? Hy Toby!” Er verwickelte mich in ein Gespräch und bat mich, mit in seinen Laden zu kommen. Er war sehr enthusiastisch, fragte mich, woher ich komme und rief mir dann mit dunkler Stimme den typischen Motivationsspruch zu: “Toby, come in and relax…because now…., it’s Fiji Time!”- Er wollte mir die traditionelle “Kava Zeremonie” näher bringen und zeigen. Ich ließ mich darauf ein und folgte ihm. In seinem Laden verkaufte er viele Holzprodukte, Instrumente, Ketten, Anhänger und sowas. Auf dem Boden war ein großes Tuch, eine Art Teppich ausgebreitet.

Wir setzen uns im Schneidersitz darauf. Seine Frau brachte eine Schale und ein paar andere Utensilien. Dann musste sie in den Hintergrund treten, da Frauen diese Zeremonie nicht machen. Es ist zwar nicht verboten, aber wohl einfach nicht üblich. Ich hörte dem Mann gespannt zu und war total aufgeschlossen, ich wollte unbedingt die Kultur der Fijianer kennenlernen. Er fing an mir die “Kava Zeremonie” zu erklären und mit mir durchzuführen. Kava, das ist die ca. 1m lange Wurzel eines Pfefferstrauches. In der Wurzel steckt ein leicht narkotisierender, beruhigender Wirkstoff, der heute auch in manchen Medikamenten verwendet wird. Er ist nicht gefährlich und macht auch nicht süchtig. Man gewinnt den Inhaltsstoff durch Zerkleinern, Wässern und Filtrieren der Wurzel, was der Mann vor meinen Augen auch machte. Er erhielt ein Pulver, das er dann mit Wasser mischte. Es gibt bei der Zeremonie keine besonderen Worte, eher besondere Handlungen. Also in welcher Reihenfolge man vorzugehen hat. Dann trinkt man zusammen aus so kleinen Schälchen diese Flüssigkeit.

Dann wird die Zeremonie noch offiziell beendet. Ich saß mit ihm noch weiter auf dem Boden und wir sprachen ein wenig über Fiji und auch Deutschland. Er erzählte mir, dass Fiji aus über 300 Inseln besteht und sehr viele so klein sind und nicht einmal über Strom verfügen. Manche Inseln gehören international bekannten Stars, so sagte er. Nach ein bisschen weiterem Small-Talk über Autobahnen und Co. wollte ich dann langsam gehen. Aber hier kam dann glaube ich sein eigentliches Anliegen. Er bat mich nämlich unbedingt Sachen zu kaufen, als kleine Gegenleistung/Geste für die mir gezeigte Tradition. Ich verneinte zunächst, nahm dann aber doch noch eine Anhängerkette mit (die mir später dummerweise dann aber zerbrochen ist). Dann verließ ich den Laden wieder und schaute mich weiter in Nadi um.

In einer Seitenstraße entdeckte ich einen Supermarkt. Ich kam mir wirklich vor wie in Indien/Asien. Man darf hier in keiner Weise einen Supermarkt, so wie wir ihn hier kennen (bspw. Rewe, Aldi usw., erwarten. Es roch ziemlich nach Gewürzen und war relativ dunkel. Sowas wie Produktbewerbung/spezielles Licht gibt es nicht. Überall stehen relativ einfache Regale, gefüllt mit den Waren. Drogerieartikel gibt es nur an einer Extratheke mit Bedienung. Ich kaufte mir ein paar Getränke und traditionelle getrocknete und gewürzte kleine Chipsteilchen. Weiß nicht genau, wie ich die beschreiben soll. Einfach so kleine Teile zum Naschen.

In meiner Unterkunft war auch ein Frühstück inbegriffen. Ähnlich wie im Hotel bin ich dazu morgens runter in den Essenraum, wo auch eine kleine Bar zu finden war. An der Bar hab ich nie irgendjemanden Trinken sehen, mir bot man auch ein paar Mal ein Fiji Bitter, das einheimische Bier aus Fiji, an. Ich trank ein, es war gut. Aber wenn man da so allein sitzt, machts auch nicht wirklich Spaß. Beim Frühstück war es ähnlich. Es gab mehrere Tische, doch eigentlich frühstückte ich immer allein, nur einmal war noch eine kleine Familie mit im Raum. Zum Frühstück gab es eine Tasse Tee und zwei Toastbrote.

Natürlich wollte ich auch raus zu den Inseln, wie eigentlich nahezu jeder Tourist auf Fiji. Leider machte mir meine finanzielle Lage einen kleinen Strich durch die Rechnung. Ich war halt einfach zu wenig Arbeiten in Australien, hab zu viel gefaulenzt, haha! :) Ich hatte mich vorher bei Tobias A., den ich im YHA Hostel in Darwin kennengelernt hatte, erkundigt und mit ihm per Facebook geschrieben. Er war nämlich vor mir auf Fiji und hatte sich so einen Pass zum sogenannten “Island Hopping” besorgt. Da zahlt man dann einen festen Preis und kann anschließend über die Moorboote, die hier als Taxis agieren, sämtliche Inseln besuchen. Das ist ziemlich cool, somit kann man zum Beispiel jeden Tag auf eine andere Insel “hoppen”. Und wie gesagt, es gibt genug Inseln. Und jede hat wohl ihren eigenen Charakter. Es gibt Partyinseln, eher ruhigere usw. Allerdings war mir dieses Ticket zu teuer, somit entschied ich mich zunächst für 2 bestimmte Inseln, später aber dann doch für nur eine einzige, nämlich Malolo Island.

Immerhin brauchte ich ja auch noch Geld für die Woche in Korea. Malolo gehört zur Inselgruppe “Mamanuca” und ist von allen dieser Gruppe zugehörigen Inseln die größte. Sie liegt etwa 20km weit von Viti Levu entfernt. Der Chef vom Hostel meinte ich solle doch lieber auf eine andere Insel, da die anderen doch besser seien, aber ich blieb bei Malolo Island und kaufte bei ihm ein Hin- und Rückfahrt Ticket und die Unterkunft dort.

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In Sydney angekommen, fühlte ich mich heimisch und total vertraut. Natürlich hatte ich mir wieder im Voraus ein Hostel gebucht. Kathy wollte ich nicht wieder “belästigen”, zumal  sie irgendwie auch nicht mehr auf meine SMS reagierte. Das Hostel lag halbwegs zentral, es war zu Fuß noch einigermaßen gut zu erreichen. Allerdings war es auch nur eines der Sorte “Über der Bar ein paar vergammelte Zimmer für ein zusätzliches Zweiteinkommen vermieten”. Ich musste beim Barpersonal während dem normalen Barbetrieb einchecken und erhielt dann den Schlüssel für mein Zimmer. Ich war in einem 10-Bett Zimmer. Für die letzten Tage war mir das alles „Wurst“. Die Leute im Zimmer waren alle völlig in Ordnung.

Das Zimmer war ziemlich heruntergekommen, die mobile Klimaanlage war defekt. Es gab einen Minibalkon, der aber total dreckig war. Schaute man von dort aufs Dach, wurde einem Übel: Kippen, vergammelte Turnschuhe, alte Flaschen, Staub…Die Küche war mitunter am “modernsten”. Allerdings gab es nur einen Minikühlschrank, der total vollgepackt war. So voll, dass die Tür meistens nicht richtig schloss und von selber wieder aufging. Hier wurden mir auch zwei Mal Lebensmittel geklaut. Die Idioten. Die Dusche und das Bad an sich waren in Ordnung. Ich kam mir bei diesem Sydney Aufenthalt ziemlich komisch vor. Total selbstsicher irgendwie. Immerhin war ich bereits zum 3. Mal in Sydney und vor allem schienen mir fast alle Mitbewohner in meinem Zimmer ziemliche Neuankömmlinge zu sein. Ich war derjenige, der schon alles gesehen hatte und 6 Monate im Land unterwegs gewesen war.

Ich wusste, was da draußen so abging, die anderen noch nicht. Es kam mir zudem so vor, als wenn nun ein großes  Buch zugeklappt würde, weil die Geschichte zu Ende ist. 6 Monate zuvor wurde ein dickes, fettes Buch aufgeklappt, in dem spannende Kapitel mit vielen Abenteuern auf mich warteten. und jetzt, 6 ein halb Monate später, war es Zeit das Buch zu zuklappen. Noch anschaulicher machte mir das Bildnis mit einer Schatztruhe meine Situation: Als ich vor 6 Monaten hier in Sydney ankam, war alles noch neu und ich machte die Schatztruhe auf und verschwand in ihr. Ich befand mich für gut 6 Monate in einer anderen Welt, mit vielen tollen Erlebnissen und neuen Bekanntschaften. Wie in einem Traum. Jetzt bin ich wieder in Sydney und muss aus diesem Traum aufwachen und die Schatztruhe langsam wieder schließen. Es war toll, die Welt in der Schatzruhe kennen gelernt zu haben, aber leider ist es nicht meine Welt, leider, leider, leider. So fühlte ich mich.

Ich nahm erneut Kontakt zu Louis auf, der inzwischen auch wieder in Sydney lebte. Er war in eine WG in Strathfield gezogen. Strathfield ist ein recht stadtnaher Bezirk von Sydney. Er war aber auf Jobsuche, fand bisher aber leider nichts. Ich traf mich ein paar Mal mit ihm auf ein paar Bier und koreanisches Essen. Als ich eines Abends von der City zurück zu meinem Hostel lief, sprach mich in einem Park, den ich durchquerte ein Typ an. Wir kamen ins Gespräch, wobei ich zunächst erstmal mein Geld gut festhielt. Mir war nicht mulmig bei dem Kerl. Ich erzählte ihm, dass ich bereits etwa 6,5 Monate hier sei und jetzt das Land verlassen werde, um nach Fiji und nach Korea zu fliegen. Außerdem sprachen wir über Darwin und er erzählte mir, dass er dort einige Zeit lebte und gearbeitet hatte.

Ich erzählte ihm von Andy, einem in Darwin sehr auffallendem Mann aus dem Souvenirshop. Und lustigerweise konnte er sich an ihn erinnern! Der Typ begleitete mich auf dem Weg bis zu meinem Hostel. Dort angekommen verabschiedeten wir uns und ich ging hoch. Ob er ursprünglich was anderes vor hatte oder einfach nur nett plaudern wollte…ich weiß es nicht:)

Die letzten Tage verbrachte ich mehr oder weniger mit dem Planen, wie es in Fiji und in Korea weitergeht. Ich nahm Kontakt zu Dawoom auf, der Freundin von Louis. Sie war inzwischen wieder in Seoul. Ich wollte sie dann natürlich treffen, wenn ich in Seoul bin. Dann musste ich natürlich auch noch zur Westpac Bank, mein Bankkonto auflösen. Das ging unproblematisch. Das noch vorhandene Geld wurde mir auf mein deutsches Bankkonto ausbezahlt. Anschließend bin ich auch nochmal in die Work & Travel Company und habe mich dort auch als “Arbeitssuchender” abgemeldet.
Als ich in der City unterwegs war, und damit meine ich wirklich City, also George Street, blieb ich auf einmal plötzlich stehen, da ich an zwei Personen vorbeilief, die ich kannte. Es waren die beiden asiatisch aussehenden Kanadier, die ich auf dem Great Barrier Reef Trip kennengelernt hatte. Es war echt ein riesiger Zufall. Um uns herum liefen tausende Asiaten, Sydney eben.

Schulklasse beim Outdoor-Unterricht, Sydney

Schulklasse beim Outdoor-Unterricht, Sydney

Denkmal an die Olympischen Spiele 2000 in Sydney

Denkmal an die Olympischen Spiele 2000 in Sydney

Und trotzdem trafen wir uns zufällig mitten in der Innenstadt von Sydney. Wir blieben einen Moment stehen und brachten uns auf den neuesten Stand. Wer weiß, vielleicht würden wir uns ja nochmal irgendwo treffen? Wobei das zugegebenermaßen absolut und wirklich vollkommen unmöglich wäre. Ansonsten nahm ich nun so langsam innerlich richtig Abschied von Sydney und Australien und wollte nun auch endlich das Päckchen aus Deutschland bei der Post Filiale in der Pitt Street abholen. Dort gab es einen Schalter, an dem ich einen Herrn nach der Sendung fragte. Aber: es war nicht da. Auch nach zweiter, intensiver Suche fand er es nicht und auch keinerlei Informationen darüber. Mit leeren Händen zog ich also wieder von dannen. Neben dem Busbahnhof der Grey Hound Busse, lies ich mich an einem Café Tisch nieder und rief direkt bei der Australia Post an. Inzwischen bereitete es mir keine Probleme mehr, auch solche Dinge auf Englisch & telefonisch zu erledigen.

Was folgte war, ohne Witz, ein einstündiges Telefonat mit der Hotline der Australia Post. Zunächst wollte man zu allererst immer erstmal die Sendungsnummer des Pakets. Daraufhin musste ich halt erstmal erklären, dass es in Deutschland nicht immer eine Tracking Nummer gibt. Beim günstigeren Päckchen gibt es halt keine Sendungsnummer, beim teureren Post Paket aber schon. Die Sendung wurde aber von meiner Mutter als Päckchen versendet, demnach lag uns keinerlei Sendungsnummer vor. Das sorgte für Chaos, denn ohne Sendungsnummer kann man im System nicht suchen. Da helfen auch Daten wie Empfänger, Absender, Herkunftsland etc. nicht. Ich erklärte halt die ganze Geschichte nochmal, also dass das Päckchen in Darwin auf jeden Fall schon einmal gesichtet worden sei, da der Postbote es zustellen wollte, aber niemand da war.

Dann ging es zur Post in Darwin. Daraufhin stellte mich die Service Mitarbeiterin in die Warteschleife und rief bei der Post in Darwin an. Dann kam sie zu mir zurück und bestätigte, dass das Päckchen auf jeden Fall in Darwin erfasst wurde und auch nachweislich von Darwin nach Sydney gegangen ist. Es müsste also auf jeden Fall in Sydney sein oder zumindest gewesen sein, aber mehr Informationen liegen nicht vor, warum, ist unklar. Jedenfalls telefonierte ich eine Stunde lang und das Ende vom Lied war im Prinzip nach wie vor Unwissenheit. Keiner weiß, wo das Ding jetzt ist und warum es nicht einfach in Sydney zur Abholung bereit liegt. Whatever – ich schrieb das Päckchen ab und vergaß die Sache dann endgültig.

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Meine nächste Busfahrt mit dem Greyhound Bus ging 300km weiter hoch nach Townsville. Ich hatte die Fahrt schon vor einigen Tagen gebucht, wusste da aber noch nicht, dass Queensland nach der schlimmen Flutwelle eine weitere Unwetterkatastrophe zu verkraften hatte. Zyklon ‘Yasi’, ein Wirbelsturm, der sich nahe der Fiji Inseln gebildet hatte, war auf dem Weg westlich an die australische Küste auf der Höhe zwischen Townsville und Cairns. Also genau dem Gebiet, in dem ich unterwegs sein wollte. Cairns war dabei wohl nicht das Problem, da es eine große Stadt war, aber die kleineren Orte würden hart getroffen werden hieß es. Yasi erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 285 km/h und riss manch kleine Ortschaft wirklich komplett kaputt. Zum Zeitpunkt des Sturms war ich aber noch in Airlie Beach. Diese Region war zu weit südlich und nicht betroffen.

Der Sturm ging, vor allem weil er direkt nach den schlimmen Fluten kam und auch wieder das angeschlagene Queensland traf, durch die Nachrichten auf der ganzen Welt. Meine Mutter machte sich ein bisschen Sorgen und rief hin und wieder an. Die Fluten waren ja in Queensland inzwischen nicht mehr schlimm, dafür gab es nun in Victoria auf Grund andauernder Regenfälle heftige Überschwemmungen. Auch hierrüber wurde nun überall intensiv berichtet. “Da hab ich mir aber einen spannenden Zeitpunkt für meine Reisen ausgesucht…” dachte ich mir immer wieder. Als ich in Townsville ankam, war Yasi aber bereits vorüber. Ich begab mich zu meinem gebuchten Hostel oder eher gesagt eine Art Guesthouse. Es waren nicht viele Leute dort und ich teilte mir mein 4-Bett Zimmer mit nur einem Typen. Toll war, dass es kostenfreien Zugang zum Internet gab. Und zwar zeitlich uneingeschränkt. Ich musste also nicht irgendwo in ein Kaufhaus und Pseudo Kaufinteresse bekunden, um E-Mails, Facebook und Co. zu nutzen.

Es gab direkt neben der Rezeption einen kleinen Raum mit alten Rechnern. Es waren noch so tolle, riesige Röhrenbildschirme. Die Rezeptionistin bat ich mir gegen kleines Entgelt ein paar Unterlagen für den Taxrefund / die Steuererklärung einzuscannen und zuzuschicken. Hier hatte ich nämlich noch mal Zeit und Ruhe und konnte mich dem Thema Steuerrückerstattung widmen, ohne jede Minute auf die Uhr schauen zu müssen, weil jede Minute kostet. Den Payroll summary report hatte ich inzwischen endlich von Rhianna zugeschickt bekommen. Sie hatte mich angerufen und sich entschuldigt, nur hätte es Probleme gegeben, den Report noch vor Ende der aktuellen australischen Steuerperiode zu erstellen. Whatever…Ich hatte meine Unterlagen zusammen und nun alles an supertaxrefunds weitergereicht. Alles Weitere war nun deren Angelegenheit (so glaubte ich).

Neben mir saß ein rothaariger Aussie und sprach mich an. Neben ihm lag eine Tageszeitung, auf dessen Titelseite sich ein Foto von ihm befand. Um ehrlich zu sein, viel es mir schwer, ihn zu verstehen. Sein Slang war ganz schön heftig. Verstanden hatte ich aber, dass er Yasi live miterlebt hatte. Er sagte, es sei sehr sehr heftig gewesen. So heftig, dass er sich kaum auf der Straße halten konnte. Die ganze Stadt sei vorher auch evakuiert und in Schutzgebäuden untergebracht worden. In dem Zeitungsbericht ging es wohl nun darum, dass einige Geschäfte der Plünderung zum Opfer gefallen sind. Und dazu wurde er interviewt. Entweder weil er Beschuldigter war oder Plünderer gesehen hatte oder so, keine Ahnung mehr. Die kleinen Geschäftsstraßen in der Innenstadt von Townsville befanden sich voll in Baustellen. Es war kein interessanter Anblick.

Auch Townsville war nach wenigen Tagen durchgesehen und dann auch irgendwie uninteressant. Immerhin gab es hier auch ein Monsoon’s Restaurant. Leider war es geschlossen, aber es weckte tolle Erinnerungen an unsere tagtägliche Mittagessen im Monsoon’s in Darwin. Ansonsten gab es nicht viel, in Townsville beginnt der Tourismus des Great Barrier Reefs, da “es vor der Haustür liegt”. Aber ich würde sagen, die meisten fahren von Townsville mit der Fähre auf Magnetic Island (die Aboriginals sagen “Yunbenun”), eine nahe gelegene Insel, die offiziell zum Stadtgebiet von Townsville gehört. Auf der Insel leben gut 2000 Einwohner und für Touristen bietet sie halt schöne Buchten mit Korallenriffen und Eukalyptus Wälder mit den dort lebenden Koalas. Die Klimaanlage in meinem Zimmer war eine der heftigsten, die ich je erlebt habe. Alter Falter, die hat das Zimmer nachts so dermaßen runtergekühlt, dass mir arschkalt war und ich richtig gefroren habe.

Der eine Typ ist früh morgens immer auf die Arbeit. Als er weg war, habe ich immer erstmal die Anlage wieder ausgeschaltet und versucht, noch ein bisschen zu schlafen. Nebenbei hab ich dann immer noch ein bisschen mit Meiner Freundin gechattet, in Deutschland war es später Abend. Als ich dann das nächste Mal an den Rechner ging und meine E-Mails abrief, hatte ich ein Problem. Greyhound schrieb mir, dass mein bereits gebuchter Bus nach Cairns auf Grund der Straßenbeschädigungen die Yasi hinterlassen hatte, abgesagt wurde und die ganze Woche kein Bus mehr fahren würde. Das war ziemlich kacke, da ich definitiv irgendwie nach Cairns musste, um meinen Rückflug nach Sydney zu kriegen. Ich rief also bei Greyhound an. Dort sagte man mir, dass die Highways zwischen Townsville und Cairns durch Yasi verwüstet und überflutet worden waren und deshalb der Busverkehr auf dieser Strecke eingestellt wird. “Toll…” dachte ich mir. Sie würden alles tun, was sie können, könnten derzeit aber noch nicht sagen, wann die Busse wieder fahren. Jetzt war die Kacke leicht am Dampfen. Nur leicht, weil ich ja noch genügend Zeit zu meinem Flug von Cairns nach Sydney hatte.

Ob ich jetzt eine Woche später nach Cairns komme, war nicht dramatisch, aber halt doof. Ich hatte ungefähr 9 Tage in Cairns eingeplant. Nur wusste ich halt auch nicht, wie lange die Busse nicht fahren. Es war halt diese nervige Ungewissheit. Zu meinem unglaublichen Glück erhielt ich später dann aber per E-Mail eine Benachrichtigung von Greyhound, dass sie einen einzigen Bus (anstatt üblicherweise 4) jetzt doch hochschicken und mich hierauf umbuchen konnten. Ich war glücklich, dass sichergestellt war, dass ich nach Cairns hochkomme. Ich checkte also aus dem Hostel aus und fuhr zum örtlichen Busbahnhof. Es war dort ganz schön voll, weil dort auch die Fähren nach Magnetic Island abfahren. Der Bus hatte total Verspätung, mind. 1 Stunde. Dann kam er endlich, aber es ging ziemlich drunter und drüber.

Denn nicht nur die Leute aus Townsville waren für diesen Bus angemeldet, sondern auch Transit/Umsteigepassagiere aus einem anderen Bus, der aus südlicher Richtung kam. Wir mussten nun also erst noch auf den anderen Bus warten. Unser Busfahrer war ziemlich gestresst und nassgeschwitzt. Durch die gecancelten Fahrten gab es viel Chaos im Ablauf. Und war wirklich der einzige Bus, den Greyhound nach Cairns hochschickte. Der Busfahrer war ein typischer seiner Art. Genüsslich rauchte er vor dem Bus seine Zigarette und lies locker und lässig den Chef raushängen. Die Leute wollten ihr Gepäck einladen und einsteigen, aber er konterte und verkündete laut redend, dass ihn jetzt keiner stressen kann und er nachdem er geraucht hat, ganz in Ruhe anfangen wird, die Leute reinzulassen. Es schien eine Art Selbsthilfe zu sein, um sich selber zu relaxen. Als dann endlich der andere Bus angekommen war und alle Leute umgestiegen waren, konnten wir mit knapp 2 Std. Verspätung unsere Fahrt ins etwa 350km weiter nördlich gelegene Cairns starten. Der Bus fuhr anders als üblich und irgendwo machten wir auch Halt, weil er Busfahrer Kurier spielen musste.

Greyhound hatte ihm Unterlagen mitgegeben, die er irgendwo zwischen Townsville und Cairns deponieren und auch selber andere Sachen abholen musste. Auch hier merkte man, dass sich alles auf diesen einen Bus konzentrierte. Dann fuhren wir weiter. Die Fahrt war wirklich interessant, obwohl es natürlich überwiegend einfach nur das endlose, langweilige Outback war, durch das wir fuhren. Dennoch konnte man immer wieder die Ausmaße von Yasi sehen. Verwüstete Dörfer, in denen Leute am Aufräumen waren, zogen an uns vorbei.

 

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Stolze 800 km ging es nun entlang der Ostküste weiter nach oben. Eine lange Nachtfahrt lag hinter mir, als wir in den frühen Morgenstunden bei strahlendem Sonnenschein in Airlie Beach ankamen. Gegen 5 Uhr morgens fand auch ein Fahrerwechsel statt. Die Geschäfte in Airlie waren noch geschlossen, das Hostel hatte die Zimmer logischerweise noch nicht fertig gerichtet. Ich checkte im Nomads Hostel ein und ließ mein Gepäck verstauen. Nomads ist eine der größeren Hostelketten in Australien. Dann unternahm ich eine erste Erkundungstour im Ortsinneren. Airlie Beach hat nur 2750 Einwohner und ist nicht wirklich groß. Der Tourismus hier dient eigentlich nur den Whitsunday Islands und dem Great Barrier Reef. Fast alle Backpacker und Touristen reisen in Airlie Beach an und fahren dann kurzerhand auf die Whitsunday Islands oder zum Reef.

Wobei der wirkliche Tourismus des Great Barrier Reefs eher noch nördlicher, in Cairns, stattfindet. Jedenfalls hat Airlie auf Grund der nahegelegenen Whitsunday Inseln auch einen schicken Yachthafen. Direkt im Ortskern gibt eine sehr schöne rundliche Bucht mit einem kleinen Sandstrand. Hier kann man nett Sitzen und auch an den öffentlichen Grills ein Barbecue veranstalten. Schwimmen ist im Meer allerdings wegen giftigen Quallen verboten. Deswegen hat auch Airlie Beach direkt nebenan eine künstlich angelegte, öffentliche und kostenfreie Lagune / Pool. Ist nett anzusehen und drumherum auch mit gemütlicher Wiese angelegt worden. Gegen Vormittag bin ich dann wieder ins Hostel zurück und habe nach meinem Zimmer gefragt. Das Hostel hatte nach hinten raus ein eigenes Gelände, auf dem einzelne Bungalows verteilt waren.

Ich hatte nach längerem mal wieder das Glück kostengünstig in einem 4er Zimmer zu schlafen und war überrascht, das ich der erste im Bungalow war und auch blieb. Ich hatte das ganze Bungalow für mich alleine, was ziemlich cool war. Dadurch, dass es einzelne Bungalows und nicht nur Zimmer in einem großen Haus waren, war alles viel weiträumiger und ruhiger. Die Hostelanlage war ziemlich angenehm. Klar, ich musste immer damit rechnen, dass jederzeit jemand einfach so reinkommen könnte, um einzuziehen, aber trotzdem. Nach einigen Tagen standen dann auch tatsächlich abends, als ich aus der Stadt zurückkam, ein paar mehr Taschen im Zimmer, als noch am Morgen. Ein junges Pärchen war eingezogen, aber nach 1 oder 2 Nächten auch schon wieder weg, weil sie auf die Inseln rausgefahren sind. Ja und ich, ich verbrachte die Tage eigentlich nur in Airlie Beach, machte ein paar Wanderungen in die nähere Umgebung. Entlang der Küste war es bergig und man konnte dort gut wandern. Ich hatte von dort oben ziemlich schöne Sichten. Einen Trip zu den Inseln konnte ich mir nicht wirklich leisten, hatte aber auch irgendwie nicht wirklich Lust.

Ich fand es abartig, was die Veranstalter für die Trips zum Uluru, Great Barrier Reef, Fraser Island, Whitsunday Islands usw. verlangen. Viel mehr Sightseeing gibt es in Airlie Beach nicht. Im Bungalow hatte ich des Öfteren Kakerlaken, was ziemlich eklig war. Es lag aber nicht an Unhygiene, sondern einfach am Klima. Dank Kathy wusste ich aber ja, wie vorzugehen war: Einfach mit dem Schuh oder irgendwas anderem einmal Kicken, sodass das Viech auf dem Rücken liegt. Die Klimaanlage funktionierte leider irgendwann nicht mehr richtig. Ich machte die Abdeckung auf und stellte fest, dass alles total vereist bzw. mit Schnee bedeckt war. Ich entfernte diese Schicht und siehe da, die Klimaanlage kühlte wieder richtig. Leider aber nur eine kurze Zeit, bis sich wieder eine Schneedecke gebildet hatte.

Als ich eines Morgens an der Bucht war, traute ich zunächst meinen Augen kaum. Lag dort doch tatsächlich auf einer Art Stromkasten ein Smartphone herum, das über die danebenliegende Steckdose aufgeladen wurde. Es war aber kein Besitzer in unmittelbarer Nähe ausfindig zu machen. Ich beobachtete das Telefon einige Zeit, niemand kümmerte sich darum. Ich ließ es zunächst einmal liegen. Als ich am Nachmittag zufällig wieder dort war, lag das Handy immer noch dort und ich war mir sicher, dass es jemand vergessen hat. Es waren inzwischen ja einige Stunden vergangen. Ich hatte also den Plan, es mitzunehmen. Zunächst mal observierte ich die unmittelbare Nähe. Keiner zu sehen, der sich um das Telefon sorgte.

In weiter Ferne wurde ich von ein, zwei Typen beobachtet. Sie waren aber so weit fern, dass ich nicht erkennen konnte, ob sie mich anschauen oder nur in meine Richtung. Jedenfalls hinderten die Typen mich daran, das Smartphone mitzunehmen. Ich blieb bestimmt eine Stunde dort und beobachtete alles. Irgendwann wagte ich es, und nahm das Handy erstmal in die Hand und schaute es mir an. Wenige Momente später aber kam dann direkt schon der eine Typ angerannt und maulte mich an. Scheinbar war es sein Handy. Ich sagte, ich hätte mich nur gewundert, weil es ja schon so ewig lange rumliegt und versicherte, dass ich sonst nichts gemacht hatte. Er nahm es an sich und zog wieder ab. Schade, ein gut funktionierendes Smartphone wäre praktisch gewesen :D  Um kostenlos online zu gehen, bin ich hier immer in eines der Reisebüros, die sich auf Backpacker spezialisiert hatten. Die werben ja oft mit kostenfreiem Internet, um die Leute anzulocken. Leider wollte mir der Typ dort gleich irgendeine Tour aufschwatzen. Ich sagte dann, dass ich noch heute abreisen würde, damit er mich in Ruhe ließ. Blöd eigentlich, denn somit musste ich dann immer einen Bogen um den Laden machen und konnte auch dort nicht mehr zum kostenlosen Surfen hingehen.

Ich hatte etwas Zeit mich nochmal mit dem Thema Taxrefund / Steuerrückerstattung zu befassen und  bei zwei, drei Agenturen mal angerufen und mich über Preise und Services informiert. Später hatte ich mich für die eine (der unzähligen Agenturen) entschieden, bei der auch die Schanzerin ihren Refund hat machen lassen: supertaxrefunds.com.au  Sie wurde durch einen Flyer im Flinders Backpacker auf diese Agentur aufmerksam und hatte innerhalb von 3 Wochen ihre Steuern zurückerhalten. Das ist ein guter Geschäftsbereich, der sich sicherlich lohnt. Viele Backpacker scheuen sich, sich mit australischen Steuerunterlagen und der Steuerbehörde auseinander zu setzen und lassen das deshalb lieber die darauf spezialisierten Steuerbüros machen. Eigentlich wollte ich das ja, allein schon aus Interesse, unbedingt selber machen und mir damit gleichzeitig auch noch die $AUD 90.00 sparen, die supertaxrefunds berechnete, aber was sollte ich schon tun? Mein Laptop, an dem ich das in Ruhe machen wollte, war kaputt und ich hatte mich deswegen auch überhaupt nicht mehr informiert, wie das Ganze von statten zu gehen hat.

Ich versuchte mein Glück und rief in der Agentur an. Lustigerweise konnte der Typ, der dann für mich zuständig war, deutsch. Er schickte mir per E-Mail ein paar Unterlagen, die ich dann ausfüllen, unterschreiben  und zurücksenden musste. Hier kam es aber zu neuen Problemen. Bluestone Recruitement, die Personalvermittlung, für die ich in Melbourne gearbeitet hatte, kam nicht in die Gänge. Für die Steuerrückerstattung benötigte ich noch den  sogenannten „Payroll summary report“. Das ist eine Gesamtübersicht aller Einkünfte, gearbeiteten Stunden, Überstunden usw. für den jeweiligen Zeitrahmen, in dem ich beschäftigt war. Und den hatte man mir bisher noch nicht zukommen lassen. Aus dem Working Hostel in Bundaberg hatte ich alle Unterlagen zusammen, aber aus Melbourne nicht. Und Rhianna, die damals für uns zuständige Vermittlerin, war kaum zu erreichen und rief mich auch nie zurück. Zwar hätte sich auch supertaxrefunds darum gekümmert, aber das kostete extra. Deshalb habe ich lieber selber hinterher telefoniert.

 

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Am 3. Tag war ich für eine andere Farm eingesetzt. Wieder mit dem Estländer und ein paar anderen aus unserem Hostel, aber nicht aus unserem Zimmer. Diesmal ging es auf eine Pineapple (= Ananas) – Farm. Die war schon viel riesiger und als Mario’s Farm. Wir waren ein Team von ca. 8 Leuten. Auch hier waren ein paar Festangestellte Aussies dabei. Ansonsten ein paar Engländer und ein Franzose, den bald alle nur noch “Frenchy” nannten. Die festangestellten Australier waren in der Gruppe mehr oder weniger die Chefs. Sie kannten auch unseren Big-Boss, den Farm Besitzer.

Der tauchte persönlich aber nie auf. Außer einmal, wo er sich angekündigt hatte. Da waren alle aufgeregt und jeder achtete darauf, nicht unangenehm aufzufallen. Ich habe den Chef aber auch nur ganz kurz gesehen. Wir hatten einen schicken Geländewagen mit Klimaautomatik und einen Pickup zur Verfügung, um raus auf das weite Feld zu kommen. Jeder griff sich also ein Paar der versifften und stinkenden Arbeitshandschuhe und machte noch seine Trinkflasche mit kaltem Wasser voll. Die Australier hatten am Eingang der Farm kleine Appartements, sie lebten dort vorübergehend. Die Plätze im Geländewagen waren auf Grund der Klimaautomatik am begehrtesten. Am Feld angekommen staunten wir nicht schlecht.

Wir durften jetzt erstmal Felder bearbeiten, auf denen gar keine Ananas mehr waren, sondern nur noch deren restlichen Pflanzenteile. Dabei waren wir in Gedanken doch alle schon längst am “Ananas en Masse” essen. Eine ziemliche Enttäuschung. Wir legten unsere Sachen auf der Ladefläche eines Farmerfahrzeugs ab. Es war eine Maschine mit Förderband, das über das Feld ragte. Die Maschine wurde ganze langsam von einem Traktor gezogen. Also auf dem Gehweg neben dem Feld fuhr ganz langsam ein Traktor vorwärts, der die Maschine hinter sich her zog. Die Gruppe verteile sich nun nebeneinander auf dem Feld. Vor sich hatte man die lange Wanne mit dem Förderband, was zur Maschine am Gehweg verlief.

Dadurch, dass die Maschine ja langsam nach vorne gezogen wurde, lief die Wanne mit dem Förderband ja auch immer ein Stück vorwärts. Die Arbeit war also nun, bestimmte Pflanzenteile abzurupfen und vor sich in die Wanne mit dem Förderband zu werfen. Es ging dabei nur um bestimmte Pflanzenreste. Die Teile werden nämlich nach der Ernte der Frucht sortiert und zum Teil anderweitig wieder verwertet. Dummerweise hatte ich das Glück neben Jeff (eigentlich Jeffrey) zu arbeiten. Der Typ war um die 50 und ein bisschen komisch. Er sprach öfter mit sich selbst und roch etwas modrig. Er war geistig irgendwie ein bisschen unterbemittelt, keine Ahnung. Jedenfalls hatte er Spaß daran, nicht nur seine Arbeit zu machen, sondern beobachtete nebenbei noch peinlich genau, ob ich nicht eine Pflanze vergessen habe. Und wenn, dann machte er mich jedes Mal darauf aufmerksam. Irgendwann nervte mich das und ich lachte nur noch. Er war selber nur ein Arbeiter wie ich und kein Chef der Gruppe. Nur was einen noch mehr ärgerte war, dass er nie Erschöpfung zeigte. Als wenn ihm der behinderte Job auch noch Spaß machte, ging er jeden gottverdammten Morgen mit Spaß an die Arbeit.
Naja, und so ging es Stück für Stück immer weiter vorwärts bis zum Ende des Feldes. Und dann die zweite Hälfte des Feldes in die andere Richtung wieder zurück. Zwischendurch machten wir immer ein bisschen Pause und legten uns auf die Ladefläche der Ananas Maschine.

Mit der Zeit wuchs die Gruppe etwas zusammen und die anfangs noch sich als Chefs aufspielenden Australier wurden lockerer. Wir machten deutlich mehr Pause als eigentlich erlaubt, nämlich nach fast jeder Runde. Täglich arbeiteten wir von 6/7 Uhr in der früh bis abends um 17/18 Uhr, also zwischen 10-12 Stunden. Abends wurden wir dann wieder vom Bus-Shuttle des Hostels abgeholt, mal pünktlich, mal unpünktlich. Es gab immer irgendwie Stress zwischen Hostel und Arbeitern. Als ein paar Tage später um 5.30 Uhr Abfahrt vom Hostel war und einer unserer Kollegen um 5.31 Uhr auftauchte, wurde er eiskalt rausgeworfen und verlor damit seinen Job auf der Farm. Wegen 1 Minute Verspätung. Das uns dieser dumme Busfahrer abends nach hart getaner Arbeit aber mitunter mal 45 Minuten hat warten lassen, war natürlich egal. Jedenfalls waren die Australier aus unserer Gruppe cool drauf und bauten Kontakt zum Chef auf. Der nahm unseren Kollegen aus dem Hostel dann selbst unter Vertrag und stellte ihn direkt ein, ohne ein mitverdienendes Hostel dazwischen. Somit verdiente er sogar mehr pro Stunde als wir.

Inzwischen waren wir mit den ersten Feldern durch. Unsere nächste Aufgabe bestand darin, rumliegende Stöcke aus Feldern aufzusammeln, da diese für eine anstehende Aussaat stören würden. Das klingt ziemlich einfach: Stöcke sammeln und dafür Kohle kassieren. Wenn man das aber 10 Stunden in knallender Sonne macht, ist das ein richtiger Drecksjob. Den besten Job hatten meistens die Australier, da Sie abwechselnd die Maschinen/Traktoren fahren durften und somit nichts Körperliches machen mussten. Typisch ich, zog ich irgendwann meine Schuhe aus und lief als einziger barfuß über die Erde. Es war so verdammt wohltuend für meine Füße, da der Boden uneben und trotzdem weich war. natürlich war das arbeitsrechtlich verboten und irgendwann durfte ich dann auch nicht mehr, da die Australier meinten, dass der Boss mal vorbeikommen würde und ich deswegen meine Schuhe wieder anziehen solle, sonst gäbe es Ärger. Ein paar Kollegen wollten mich auch verarschen und versuchten mir einzureden, dass an manchen Stellen unter der Erde auch Schlangen leben und sie deshalb niemals hier barfuß laufen würden. Ich hielt das für Quatsch.

Frösche gab es des Öfteren, aber Schlangen? Nicht eine einzige habe ich gesehen. Wer einen Frosch fand, gab immer laut Bescheid, ließ ihn an einem Bein zappeln und warf ihn hoch in die Luft. Es war so lustig, wie diese Tiere mit ausgestreckten Beinen durch die Luft Andygen und dann auf einmal irgendwo hinflatschten. […]
Eines Tages brachen wir unsere Arbeit frühzeitig am Nachmittag schon ab. Es waren 40 Grad und einer unserer (australischen) Kollegen hatte einen Sonnenstich erlitten. Wir riefen im Hostel an und bestellten den Bus, um uns abzuholen. Er kam zwar, aber natürlich ließ er ziemlich auf sich warten. Sonderabholwünsche waren nun mal unerwünscht. Dem australischen Kollegen ging es zwei Tage später wieder gut. Nur verspottet wurde er ein bisschen: war er doch Aussie und Hitze und Klima eigentlich gewohnt. Doch kein echter Aussie?!

Die weiteren Tage ging es endlich an die Ananas Felder. Und natürlich, wir durften auch Früchte essen und uns Ananas mit ins Hostel nehmen. Das war dann der angenehme Part des Jobs. Anders als auf Mario’s Farm bekamen wir aber leider nicht mit, was mit der gepflückten Frucht weiter geschah. Als wir Feierabend hatten, sind wir wieder in den Autos nach vorne gefahren und haben auf den Bus gewartet. Die Aussies boten uns die Duschen in den Appartements an und gaben uns Bier aus. Ich machte den Job seit einer Woche und hatte absolut keine Lust mehr. Ich entschloss mich, weitere drei Tage durchzuhalten und dann aufzuhören. Dazu gab ich dann im Hostel an der Rezeption Bescheid, dass ich aufhören möchte. Am nächsten Tag hatte ich dann schon frei. Ben, der Brite aus meinem Zimmer, wurde des Hostels verwiesen. Angeblich hatte er eine Nacht zuvor irgendwie im Vollrausch Stühle umgestellt oder sowas. Die Hostelmitarbeiter hatten das nun über die Überwachungskamera gesehen und warfen ihn deshalb direkt vor die Tür. Es war kein großer Akt, direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite war ein anderes Hostel, in das er zunächst einzog.

Ich hingegen hatte zwischenzeitlich meine weiteren Pläne geschmiedet. Bundaberg ging mir so auf den Keks, es war so dermaßen langweilig dort. Am Wochenende wusste ich nicht, was ich machen soll. Ich wollte schnell weiter. Mein nächstens Ziel entlang der Ostküste sollte Airlie Beach sein. Es liegt direkt an der Küste und ist das Tor zu den Whitsunday Islands, einer aus 74 Inseln bestehenden Inselgruppe, von denen nur 17 bewohnt sind. Viele Seevögel und Buckelwale sollen hier neben traumhaften hellblauen Stränden zu sehen sein. Ich buchte den Greyhound Bus und ein Hostel in Airlie Beach.

Mit dem Hostel in Bundaberg vereinbarte ich noch, dass Sie mir bitte die Abschlussabrechnung per E-Mail zusenden sollen.

Aussie School, Bundaberg

Aussie School, Bundaberg

Das klappte natürlich zunächst nicht, aber dazu später mehr. Ich checkte aus und begab mich mit meinem Rucksack zum lokalen Busbahnhof, wo ich vor gut 2 Wochen auch angekommen war. Es war schon leicht dunkel und direkt neben dem Busparkplatz war auch ein Hostel. ich traute meinen Ohren nicht, als ich eine Stimme hörte: Es war Ben. Er war nochmal umgezogen. Er erkannte mich und wie unterhielten uns kurz. Ich sagte ihm, dass ich keinen Bock mehr auf Arbeiten hatte und weiterziehe. Wir kappelten uns ein wenig, dann ging er weg. Mein Bus kam und ich verließ Bundaberg.

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Ich hatte mir weiter Gedanken gemacht und wollte dann doch nochmal irgendwas arbeiten, da ich dachte, so ein kleiner Finanzschub wäre nochmal was Feines. Ich dachte diesmal tatsächlich an sowas wie Fruitpicking. Ich war nur gut 120km von Bundaberg entfernt. Bundy ist für Fruitpicking eine recht beliebte Region. Dort hatte auch mein koreanischer Freund Louis 3 Monate lang Tomaten gepflückt. Deshalb versuchte ich Kontakt aufzubauen, damit er mir vielleicht einen Job klarmachen konnte. Nach ein bisschen Hin- und her aber, war klar dass das nicht ginge. Irgendwie war Louis bei einem Farmer, der ausschließlich Koreaner oder generell nur Asiaten einstellen würde oder sowas. Keine Ahnung…

Ich schaute mich nach ein paar Farmen um, auf denen ich vielleicht hätte arbeiten können, aber irgendwie wurde das alles nichts. Nichts frei, überall anrufen und nachfragen… Dann kam mir die Idee mit den Working Hostels. Dort bucht man sich ein Zimmer und lässt sich gleichzeitig einen Job vermitteln. Die Hostels stehen mit den Farmen in direktem Kontakt. Ich suchte mir also ein paar Adressen von solchen Hostels in Bundaberg raus und fuhr von Hervey Bay nach Bundaberg hoch. Es war dunkel, als ich dort ankam. Mein Hostel, zudem ich als erstes wollte, fand ich leider nicht, deshalb bin ich einfach direkt in das zentral gelegene “Central Backpacker’s” und fragte erst mal nach einem Zimmer für eine Nacht. Am nächsten Tag bin ich dann losgezogen und habe mir Bundaberg angesehen. Man kann es sich so vorstellen: eine sich durch 4 Kreisel durchziehende Hauptstraße. Die Kreise führen dann links und rechts zu ein paar Nebenstraßen. Das Ganze ist total überschaubar und eigentlich auch total langweilig.

Alles macht irgendwie um 19 Uhr zu und danach ist auch absolut gar nichts mehr los. Ich bin in zwei, drei Hostels und fragte zwecks Fruitpicking-Job. Letztlich blieb ich im Central Backpacker’s und meldete mich für einen Fruitpicking Job an. Nur mit einem Job würde sich der Tag in Bundaberg durchhalten lassen, die Zeit würde sehr wahrscheinlich schneller vergehen. Mir ist dann auch noch eingefallen, dass ich mir wohl noch entsprechende Klamotten besorgen sollte, wenn ich schon auf dem Feld arbeite. Deswegen bin ich direkt in die örtlichen Shops und hab mir das billigste T-Shirt, die billigste Hose und die billigsten paar Schuhe gekauft, da die sowieso total eingesaut werden. Wenn ich mich an den Laden erinnere, in dem ich die Sachen gekauft hab, muss ich immer an das Lied von Kesha – “We are who we are” denken. Das Lied war zu dem Zeitpunkt chartmäßig ziemlich weit oben.

Es war beginnendes Wochenende und am Montag sollte es schon losgehen. Dafür musste man einen Vertrag unterschreiben, der dem Hostel von jeder gearbeiteten Stunde einen gewissen Dollar Betrag zusicherte. Anstatt bspw. 20,28 Dollar / Stunde wie in Melbourne bekam ich so nur 17,60 Dollar / Stunde. Das Hostel verdiente kräftig mit, ohne was zu tun. Zumindest verdienen sie unverhältnismäßig viel. Aber das Hostel stellte sich letztlich sowieso als ein ganz schön mieser Verein heraus. Die Stimmung zwischen Hostelmitarbeitern und Hostelgästen war nicht sehr gut. Für die Mitarbeiter waren wir Gäste wohl das erbärmliche Backpacker-Arbeiterpack ohne jeglichen Anstand. Meine Zimmergenossen waren Ben, ein Engländer, zwei, drei andere Kerle und zwei Brüder aus Estland. War echt interessant, denn Leute aus Estland hatte ich bisher noch nie getroffen. Selbst in Deutschland nicht. Estland hat ja auch gerade mal 1,3 Mio Einwohner. Ben war ein lustiger Vogel, mit dem ich des Öfteren rumscherzte.

Ich fand ihn so lustig, weil er so richtig typisches, sauberes, britisches Englisch sprach. Er war ganz nett drauf, wirklich was zusammen unternommen haben wir aber nicht. Er ging des Öfteren irgendwo feiern und hatte andere Leute, mit denen er die Zeit vertrieb. Es gab im Hostel einen großen Raum mit TV Leinwand, an der ich ab und zu Tennis guckte. Ansonsten gab es nur noch eine Tischtennisplatte. Mehr eigentlich nicht. Alles wirkte heruntergekommen, unser Zimmer erreichte man durch den recht dreckigen Hinterhof. Das Zimmer war auch nicht wirklich gepflegt. Es war ein 8er Zimmer und alles was uns zur Kühlung zur Verfügung stand war ein billiger Stand-Ventilator. Die sich immer wieder stauende Hitze im Zimmer war für mich das unerträglichste an allem. Aber die Führung des Hostels schienen die Zustände wohl nicht zu interessieren.

Oben durfte ich schlafen

Oben durfte ich schlafen

Wie gesagt, sie kehrten sich nicht wirklich um die Gäste. Sie boten eine halbwegs bezahlbare Unterkunft und vermittelten Jobs. Nach dem Motto: Friss oder stirb! An der Hostelrezeption hing sogar ein Zettel (in deutscher Sprache) über Sicherheitshinweise der örtlichen Polizei. Hinter der Tischtennisplatte wurden dann am Wochenende immer die Arbeitspläne ausgehängt. Dort musste man dann schauen, wann und wo man eingeteilt wurde.

Für mich hieß es Montag und Dienstag, 6 Uhr – Mario’s Sweet potatoes. Es waren nur der eine Estländer und ich eingeteilt. Mir wurde innerlich schlecht, als mir bewusst wurde, dass ich jetzt tatsächlich früh ins Bett muss, weil ich um 6 Uhr stramm stehen muss. Stramm stehen meine ich dabei sehr ernst. Unser Zimmer hatte eine Hintertür, die direkt um Parkplatz führte. Dort standen morgens immer die Busse bereit, die uns raus auf die Farmen fuhren. Man hatte pünktlich zu sein, sonst gabs Ärger. Man wurde also auf die einzelnen Busse verteilt und ich kam mir dabei vor wie so ein Pole in Deutschland. Die werden auch immer zu zwanzigst in einem Bus raus auf den Bau gefahren und wieder abgeholt.

Jedenfalls waren bei uns im Bus noch einige Asiaten. Ich freute mich, zu gern hätte ich mit Asiaten zusammengearbeitet. Wir kamen bei der ersten Farm an. Es war allerdings nicht Mario’s Sweetpotatoes, wo ich hinmusste. Es stiegen alle Asiaten aus. Der eine Estländer und ich waren die letzten im Bus. Als und der Fahrer auf Mario’s Farm rauswarf, kam ich mir ziemlich doof vor. Keine verkackte Menschenseele war dort. Der Bus fuhr wieder weg.

morgens 5.30 Uhr: Abfahrt auf die Farm

morgens 5.30 Uhr: Abfahrt auf die Farm

Es war so ca. 6 Uhr in der Früh. Totale Stille. Naja, ich dachte an die Arbeitszeit, die ja offiziell schon begonnen hatte und das damit sehr leicht verdiente Geld. Wir saßen also beide müde erstmal nur am Straßenrand rum. Der Estländer erzählte mir, er hätte schon mal auf ein paar Farmen gearbeitet, da er anhand meiner neuen Kleidung merkte, dass ich neu war. Er kam mit verdreckten Shirts und festem Schuhwerk daher, ich mit noch sauberen Turnschuhen.

Etwa eine halbe Stunde später kam dann jemand, es schien Mario zu sein. Ein etwas älterer Herr, so um die 70+ vielleicht. Aber noch recht gut in Schuss. Ihm folgten zwei mehr oder weniger fest angestellte Mitarbeiter, sehr komische Vögel. Der eine sah heruntergekommen aus, der andere sah zwar normal aus, machte er aber den Mund auf, dachte man ein Vogel spricht. Als wenn er gerade im Stimmbruch war, total verrückt. Naja, wir folgten eigentlich nur den Anweisungen und fuhren mit den beiden Typen raus aufs Feld. Mario blieb vorne am Eingang der Farm, wo auch eine Toilette und so war. Auf dem Feld mussten wir dann halt Süßkartoffeln ernten und in Kisten packen. Die Kisten kamen dann alle nach und nach auf den Pickup. Es war anstrengend, das auf Dauer und kniend in der Sonne zu mache

Und je voller die Kisten, desto schwerer. Und je schwerer, desto schwieriger war es auch, die Kisten hoch auf den Pickup zu hieven. Vor allem, weil dort gestapelt wurde. Schnell waren die unteren Plätze vollgepackt. Das hieß dann Kisten hochheben, was wiederum noch mehr Kraft beanspruchte. Als der Pickup voll beladen war, sind wir wieder vor gefahren, zu Mario. Dort wurden alle Süßkartoffeln in eine große Maschine geworfen. Sie lagen nun in einem Wasserbecken, damit der grobe Schmutz abgeht. Dann wurden die Süßkartoffeln von mir und dem Estländer mit Hilfe eines Besen abgeschrubbt, damit die noch hängengebliebene Erde auch abging. Über ein Förderband wurde die Ware dann weiter nach vorne geschickt, wo Mario und die anderen beiden Typen die Kartoffeln dann nach Qualität und Größe sortierten und schließlich in Holzkisten/Kartonagen verpackten.

Dann war das Ganze eigentlich auch schon verkaufsfertig. Zwischendurch hatten wir zwei, drei Mal Essenspause. Mario wirkte anfangs etwas streng, aber eigentlich war er gar nicht so. Im näheren Gespräch erzählte er, dass er die Farm eigentlich nur noch als Hobby betreibt, um ein paar Kunden zu bedienen. Dazu holt er sich dann immer ein, zwei Backpacker, die mithelfen. Es war ein gutes Gefühl, zu merken, dass er gar nicht so mies drauf war. Denn grundsätzlich hört man unter Backpackern immer, dass die Chefs der Farmen immer miesgelaunte Ausbeuter seien, die mit der Peitsche hinter dir stehen, wenn du mal 2 Minuten nicht arbeitest. Aber so war er zum Glück nicht. Auf Grund seines Alters war er doch eher lässig drauf und fragte nach, wo wir herkommen, was wir so machen und wer wir sind. Waren die Kisten also fertig gepackt, ging das gleiche Spiel von vorne los: Raus aufs Feld, Kartoffeln ernten, auf den Pickup laden, vor zum Eingang fahren, Kartoffeln waschen und verpacken. So gegen 17 Uhr ca. hatten wir dann Feierabend und wir sollten wieder mit dem Bus vom Hostel abgeholt werden. Sollten… Mario und seine Kumpanen waren inzwischen auch schon weg. Und so saßen wir dort allein auf der Farm herum und warteten wie die Idioten auf diesen Bus. Handyempfang gab es leider nicht.

Eine gute halbe Stunde zu spät kam dann der Hostel-Shuttle und nahm uns gnädiger Weise mit. Wir gesellten uns zu den anderen todmüden Arbeitern und fuhren ins Hostel. Im Hostel angekommen, ging es erstmal Duschen und Umziehen. Dann musste man sich mit Essen versorgen. Wie ich nun mal bin, bin ich oft mit ein paar anderen Kollegen einfach um die Ecke. In der 224 Bourbong Street gibt’s nämlich einen kleinen „Pizza Hut“ und der hatte immer günstige Tagesangebote. Das war perfekt für „nach dem Feierabend“. Und in der 226 Bourbong Street gibt’s auch einen „Red Rooster“. Das ist eine ausschließlich in Australien vertetene (Franchise) Fastfood Kette mit inzwischen 290 Filialen, die sich auf Brathähnchen, Pommes und andere Hühnerfleischprodukte spezialisiert. Im Hostel war dann halt Feierabendstimmung, man ruhte sich aus, guckte fern und ging zeitig ins Bett, um die harte Arbeit am nächsten Tag wieder zu schaffen.

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