In Sydney gelandet, war das Datum inzwischen der 04.08.2011. Rein rechnerisch gesehen waren wir nun also 2 Tage unterwegs.
Es folgte das Übliche: lange Wege & Gepäck holen. Dann noch eine kurze Gegenüberstellung mit australischen Polizeibeamten und Spürhunden. „Ui, jetzt lieber nichts sagen, einfach nur machen“, dachten wir uns. Als das Prozedere dann aber durch war, durften wir einreisen und erhielten den ersehnten Stempel „Arrived in Australia – 04.08.2010“.

Am Ausgang wurden wir dann von zwei jungen, braungebrannten & frischen Aussies mit Sonnenbrille und gegelten Haaren, Dunkin und Max, abgeholt. Sie waren unsere „Guides“ von der Work and Travel Company, der Partnerorganisation von StepIn. Diese Organisation steht uns bei allen Fragen und bei der Jobsuche zur Seite. Mit guter Laune und ein bisschen Smalltalk über die gerade vergangene Wahl der ersten weiblichen Premierministerin „Julia Gillard“ versuchten die beiden uns etwas aufzumuntern und unsere Müdigkeit vom Flug zu verdrängen. Zusammen mit Ihnen fuhren wir in einem Kleinbus vom Flughafen direkt zu unserem Hostel, dem“ Sydney Central YHA“, einem „5 Sterne Hostel“, inmitten der Innenstadt der 4,6 Mio. Metropole, die natürlich nicht Hauptstadt von Australien ist.  Die Hauptstadt mit offiziellem Regierungssitz ist Canberra (ca. 350.000 Einwohner) und liegt genau zwischen Sydney und Melbourne.  Canberra ist eine Planhauptstadt, die extra als Hauptstadt geplant und gebaut wurde, weil Sydney und Melbourne sich damals um den Titel als Hauptstadt Australiens gestritten haben. Deshalb baute man als Kompromiss in der Mitte Canberra und benannte diese zur Hauptstadt. Da Canberra eben nur zum Zweck der Hauptstadt mit Ministerien, Gerichtsgebäuden und Co. erbaut wurde, gibt es hier grundsätzlich, zumindest für Touristen, nicht sehr viel zu sehen und ist für die meisten eher uninteressant. Canberra besitzt viele weitläufige naturbelassene Grünflächen und wird deshalb auch „Busch-Hauptstadt“ genannt.
Am Ende oder eher gesagt im Laufe meines Australien Aufenthaltes werde ich mich übrigens an den schönen, modernen  Zustand dieses Hostels noch gerne zurückerinnern. Denn man gewinnt nach und nach an Hostel Erfahrung.
Dort ließen wir jedenfalls unser Gepäck einlagern und bekamen zur Einstimmung auf das bevorstehende Backpacker Leben erst einmal ein Hostel Frühstück, nein, ein “Breakky” (-> Breakfast), gratis. Zwei Toasts, einen Apfel, etwas Marmelade und einen Saft. Das Wetter war sonnig, etwa 20 Grad. Mehr oder weniger gestärkt ging es dann auf zu einem kleinen Rundgang durch die City von Sydney bis zum Büro der Work and Travel Company. Dort wurde uns kurz alles gezeigt, bspw. die Computer mit kostenloser Internetnutzung.
Zurück im Hostel lernte ich meine Zimmergenossen kennen: Gregor, ein Deutscher und zwei Niederländer, die in Sydney studierten. Am darauffolgenden Tag fand im Büro der WTC ein sogenanntes Einführungsseminar statt. Die beiden Guys von der WTC holten uns dafür im YHA Hostel ab und führten uns mit einer größeren Reisegruppe aus Deutschland zusammen. Es gab Vorträge über Australien und dessen Vorzüge und Reisetipps. Uns wurde erklärt, wie wir unser Abenteuer gestalten können, was die WTC für uns tun kann, wie man sich ein Auto mieten kann usw. Dann besuchte uns eine Dame der Westpac Bank, die für uns unsere Kontoanträge vorgefertigt hatte. Wir erhielten unsere Steuernummern und durften in eine Kamera lächeln, damit wir einen YHA Ausweis mit tollem WTC Logo  bekommen konnten. (Den werde ich später übrigens verlieren und nur einen einfachen ohne Foto und WTC Logo wiederbekommen).

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Außerdem durfte sich jeder erst mal tolle blaue WTC FlipAndyps, nein, „Aussie-Thongs“, Schlüsselanhänger etc. mitnehmen. Nach der Veranstaltung wurden direkt auch mal die Computer gestürmt und die ersten gingen auf die Suche nach Jobs. Ich ging später mit Marissa, Aline und noch zwei anderen im Coles Supermarkt einkaufen. Wir wollten nämlich Nudeln kochen. Mir fielen direkt die Preise auf. Als Faustregel lässt sich sagen: Alles ist mindestens etwa doppelt so teuer wie bei uns.

Wobei es da regional noch Unterschiede gibt und das System anders ist, als hier. Bei etlichen Artikeln ist ständig irgendein Angebot gültig, kauft man einen Artikel, gibt’s den zweiten gratis dazu oder ab dem 2. Artikel sind alle weiteren günstiger o.ä.  Aber umgekehrt verdienen die Australier verhältnismäßig auch ziemlich gut. Ein Stundenlohn von umgerechnet 20 EUR ist (zumindest in und um Darwin im Northern Territory) keine Seltenheit. Bei Backpackern sieht das natürlich nochmal anders aus, aber auch da gab es schon Leute, die sehr gut verdient haben und dann viel Kohle wieder mit nach Hause genommen haben.

Beim Check-Out (der Bezahlvorgang) muss man sich dann zwischen SB-Kasse oder normaler Kasse entscheiden. Was in Deutschland bisher zwar immer öfter auftaucht, ist hier schon gang und gäbe. Denn die SB-Kassen waren ziemlich voll, obwohl es bestimmt 20 Stück waren. Wir sind aber zur handelsüblichen Kasse. Und tatsächlich, die Kassiererin fragt “Hi, how are you today?”. Dieses Phänomen hatte ich bei der Vorbereitung auf meine Reise nämlich im Internet schon gelesen und scheint absolut typisch in Australien zu sein. Man erwartet keine Gegenantwort, darf aber auch kurz antworten, wenn die Kassiererin zum Beispiel fragt, was man heute noch so macht: “What are you up to today?”. Aber wie gesagt, man braucht sich dadurch nicht bedrängt fühlen, man muss darauf nicht unbedingt antworten.

Diese gewisse Lässigkeit ist bei den Australiern einfach völlig normal, habe ich später gemerkt. Wenn man fremde Personen anspricht, begegnen sie einem ziemlich locker, halt dieses typische “easy-goin’”, das man den Aussies nachsagt. Aber es ist wirklich so. Dazu dann noch das passende Outfit (FlipAndyps und Tank-top) und der passende Slang (“Fuck”, “Fuckin”, “howsitgoan mate?”, “yeah, good on ya mate”) und der typische Aussie ist fertig. Die Mädels tragen sehr häufig auch den von mir so genannten “Aussie-Zopf”: Ein Dutt, aber leicht schräg, links oder rechts hinten, angesetzt.  Auch cool ist, dass die Kassiererin die Artikel scannt und gleich auch schon in Tüten einpackt und man dann nur noch die vollen Plastiktüten übernehmen muss: tolle Sache.

Zum Essen verabredeten wir uns für ca. 16 Uhr. Und um diese Zeit saß ich auch wie verabredet im ersten Stock in der Lounge. Zwar plagte mich der Sekundenschlaf, doch immer wieder schaute ich nach den Mädels. Nach gut 20 Minuten Kampf mit der Müdigkeit gab ich auf, ging auf mein Zimmer und ging einfach nur noch schlafen. Ich war so dermaßen übermüdet… Abends bin ich zwar aufgewacht, aber  nicht aufgestanden. Einmal rumgedreht, gleich weitergepennt. Bis zum nächsten Tag. In meinem Zimmer waren zwei Jungs (um die Ende 20) und Gregor, der mit mir eingezogen war und auch gerade erst aus Deutschland angekommen war. Er war aber mit einer anderen Organisation gekommen.

 

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Die beiden anderen waren zum Studieren in Sydney und schon einige Monate hier. Irgendwie ergab es sich, dass ich mit Gregor und Till zum Bondi Beach gefahren bin. Bondi liegt etwa 7 km von der Innenstadt und ist einer der berühmtesten Strände und Surfspots der Welt. Mit dem Bus kamen wir recht unproblematisch dort hin und genossen unsere erste Ozean Brise! Traumhaft, sage ich nur! Als ich auf das tiefblaue Meer blickte und um mich ein angenehmer Wind wehte, spürte ich, dass es absolut richtig war, die ganze Aufregung auf mich genommen zu haben und das Abenteuer wirklich gewagt zu haben.

 

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Mit Till und Gregor selber konnte ich nicht allzu viel anfangen, sie waren ganz in Ordnung und eine gute Bekanntschaft für die ersten Tage. Till wollte aber ziemlich schnell aus Sydney weg. Ich erinnere mich noch, dass er vorhatte mit Sack und Pack in den  „Blue Mountains“  wandern zu gehen. Ich muss gestehen, ich hatte mir kaum Pläne im Vorhinein über meine Reiseroute innerhalb Australiens gemacht und deshalb zu dem Zeitpunkt auch keine Ahnung gehabt, was genau er mit „Blue Mountains“ meinte. Aber das war  ja ganz am Anfang. Später werde ich selber in die Blue Mountains fahren – aber dazu später mehr.  Zu Gregor verlor ich dann auch jeglichen Kontakt, aber so ist das eben unter Backpackern:  ein Kommen und ein Gehen.




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